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Serie über faszinierende Insekten und Wildblumen – Teil 2: Der Olivbraune Zünsler (Pyrausta despicata)

Schmetterling Rainfarn Olivbrauner Zünsler
© Geraldine Zimpfer – Der Olivbraune Zünsler bei einer Vesperpause auf dem Rainfarn.
Mitten in der Ortenau zeigt Geraldine Zimpfer, wie vielfältig Natur vor der Haustür sein kann: In ihrem Insektenparadies rund ums Tiny-Haus tummeln sich teils seltene Falter, Hummeln, Bienen und Käfer. Im Fokus steht diesmal der olivbraune Zünsler – ein Schmetterling mit faszinierendem Balzverhalten, der nicht nur Insektenfreunden Freude macht, sondern auch u. a. für Igel und Vögel als Nahrungsquelle dient. Dazu stellen wir mit dem Rainfarn eine alte Heil- und Schutzpflanze vor, die bis heute Insekten anzieht.
Von Wolfgang Huber und Geraldine Zimpfer

Um euch jetzt, in der Endphase des durchwachsenen Sommers 2025, einen Einblick in die Artenvielfalt von Flora und Fauna im Insektenparadies von Geraldine Zimpfer rund um ihr Tiny-Haus im Herzen der Ortenau zu gewähren, setzen wir heute unsere Serie mit Bildern von teilweise seltenen, heimischen Insekten mitsamt ihrer bevorzugten Blüten und Pflanzen fort. Die Flug- oder Krabbeltierchen muten teils exotisch an, faszinieren oder sind einfach wunderschön. Allesamt kleine Wunder der Natur.

Tipp: Naturgarten anlegen

Wir wollen damit die Ortenauer Hausbesitzer und Gartenfreunde animieren, auch einen Naturgarten zu entwickeln. Schottergärten lassen sich wunderbar in naturnahe, wilde Insekten-Refugien umwandeln. In Offenburg wird die Renaturierung mit dem Programm bio.og sogar von der Stadt gefördert. Damit kann jeder einen wichtigen Beitrag zum Überleben der Insekten insgesamt leisten. Die Insektenpopulation sinkt seit Jahren.

Teil 2: Der Olivbraune Zünsler

Schmetterlinge gehören zu den beliebtesten Insekten. Sie flattern nicht nur federleicht durch die Lüfte, sondern sie sorgen auch im Bauch für Aufregung, wenn man sich frisch verliebt. Der olivbraune Zünsler (Pyrausta despicata) ist zwar nicht der farbenprächtigste, aber er hat ein ausgeprägtes Balzverhalten. . Er ist ein Schmetterling aus der Familie der Crambidae. Mit einer Flügelspannweite von 14 bis 20 Millimetern ist er eher klein. Die Färbung des Zünslers reicht von olivgrau bis schwärzlich braun.

Gelbe und schwarze Elemente

Ähnlich wie bei den Enten gibt es einen Geschlechtsdiphormismus, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Bei den Enten sind die Erpel (Männchen) prächtig bunt gefiedert, die Enten dagegen eintönig grau. Beim Olivbraunen Zünsler sind die Männchen recht eintönig gefärbt. Bei den Damen weisen die Flügel gelbe und schwarze Zeichnungselemente oder sind kontrastreich gezeichnet.

Schmetterling Rainfarn Olivbrauner Zünsler Gemeine Zierwanze Rainfarn

Olivbrauner Zünsler (oben) und die gemeine Zierwanze (Adelphocoris) auf Rainfarn. Fotos: Geraldine Zimpfer

Insektenfreundliche Lampen

Ihre Hochsaison haben die nachtaktiven Falter von Mai bis September. Im Dunkeln tummeln sie sich um künstliche Lichtquellen und verenden. Deshalb ist es wichtig, dass die Städte ihre Straßenbeleuchtung auf insektenfreundliche Lampen umstellen. Den Tag verbringt der Zünsler in niedrigen Krautschichten. Er verfügt über ein schnelles und wendiges Flugverhalten.

Tanzen für den Nachwuchs

Die Männchen werben um die Auserwählte mit einer Art Tanz. Das Weibchen kann dann theoretisch direkt nach der Paarung die nun befruchteten Eier auf der entsprechenden Raupenfutterpflanze – was hier die Wegericharten sind – platzieren. Voraussetzung ist die sofortige Verfügbarkeit. Es kann mitunter Wochen dauern, bis das Weibchen eine geeignete Pflanze findet. Bis dahin läuft die Dame Gefahr, für einen Vogel als Snack herhalten zu müssen. Da die Insektenpopulation insgesamt seit Jahren sinkt, haben die Vögel für die Aufzucht ihrer Brut immer weniger Futter. Der Zünsler kommt glücklicherweise noch häufig vor.

Schmetterling Rainfarn Olivgrauer Zünsler

Ein weiteres Exemplar des Olivbraunen Zünslers. Foto: Geraldine Zimpfer

Nahrungsquelle für Igel

Auch der Igel – der gerade still und leise in unseren gestylten Gärten verhungert und stark vom Aussterben bedroht ist – freut sich über die Falter oder deren Raupen als Nahrungsquelle. Die Stacheltiere profitieren von mehr Lebensraum für Insekten. Jeder kann in seinem eigenen Garten ein Stück davon der wilden Natur überlassen.

Kokon für die Raupen

Doch zurück zur Eiablage: Bevorzugte Wegericharten sind Breitwegerich (Plantago major), Mittlerer Wegerich (Plantago media) und Spitzwegerich (Plantago lanceolata). Beobachten kann der Naturgartenfreund die Raupen von Juni bis Juli und von August bis September. Um gut über den Winter zu komme, bauen die Raupen der zweiten Generation einen Kokon. Die Verpuppung findet im Frühjahr statt.

Winterliche Rückzugsräume

Wer dem Schmetterlingsnachwuchs beim Überleben helfen will, sollte in einem naturnahen Garten die Wiese nur ein- bis zweimal im Jahr mähen. Die beste Zeit dafür ist Juni/Juli und Oktober. Und nicht alles auf einmal: Teile der Wiese sollten als Rückzugsräume über den Winter erhalten bleiben. Die Farbe der Raupen sind hell bis dunkel braungrün. Bei einer Länge von bis zu 16 mm ist ihr Kopf und Nackenschild braun.

Wildblumen Naturgarten  Tiny-Haus Naturgarten Geraldine Zimpfer

Rainfarn mit den Nachbarn Natternkopf und Schafgarbe (oben). Fotos: Geraldine Zimpfer, Wolfgang Huber

Der Rainfarn (Tanacetum vulgare)

Der Rainfarn ist auch der Landeplatz des Zünslers auf dem Titelbild. Dabei handelt es sich um eine robuste, bis zu 1,60 Meter hohe Staude mit farnartigen, aromatischen Blättern und leuchtend gelben Blüten. Wie auf den Fotos zu sehen ist, kann man diese von Juni bis September bewundern. Die Pflanze wächst an Wegrändern, Ufern und Ruderalflächen, ideal sind trockene, sandige Böden. Er verströmt einen stark herben Duft.

Schutzpflanze im Mittelalter

Als wertvolle Insektenweide liefert er Nektar und Pollen für Schwebfliegen, Wildbienen und Falter. Zudem sind spezialisierte Arten wie die Rainfarn-Maskenbiene oder der Rainfarn-Blattkäfer auf ihn angewiesen. Obwohl giftig, fand er in der Naturheilkunde Anwendung gegen Würmer, Magen-Darm-Beschwerden oder Krämpfe. Historisch galt er als „Unsterblichkeitskraut“ und wurde als Schutzpflanze, Gewürz und Grabbeigabe genutzt.

Siehe auch hier:

Libellen, Hummeln & Co.: Wie Geraldine rund um ihr Tiny-Haus eine Oase der Artenvielfalt schafft

Neue Serie über faszinierende Insekten und Wildblumen – Teil 1: Der Braunrötliche Spitzdeckenbock

Gartenarbeit: Ein Bakterium und Hormone wirken gegen Angst, Depressionen und Stress

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