Ortenau Direkt

Strukturwandel in der Kirche: 61.000 Gläubige künftig in der Pfarrei Heilig Kreuz Offenburg vereint

Kirchenvorstand Offenburg
© Kath. Kirchengemeinde Mittlere Ortenau – Der neue Kirchenvorstand der Pfarrei Heilig Kreuz in Offenburg.
Mit dem Jahreswechsel stellt sich die katholische Kirche in der Ortenau strukturell neu auf. Aus zahlreichen bisherigen Einheiten entsteht die große Pfarrei Heilig Kreuz mit Sitz in Offenburg, die von Rheinau bis ins Kinzigtal reicht und rund 61.000 Katholikinnen und Katholiken umfasst. Hintergrund sind sinkende Einnahmen, weniger Personal und ein gesellschaftlicher Wandel. Ziel der Reform ist es, Aufgaben zu bündeln, Ressourcen zu sichern und die kirchliche Arbeit vor Ort langfristig zu stärken.
Aus 1048 werden 36 Pfarreien

Zum neuen Jahr vollzieht sich der tiefgreifendste Transformationsprozess in der knapp 200-jährigen Geschichte der Erzdiözese Freiburg, einer der größten Diözesen der Katholischen Kirche in Deutschland. Am 1. Januar werden die bisherigen 1048 Pfarreien in 36 Pfarreien gebündelt, darunter auch die Pfarrei Heilig Kreuz Offenburg/Römisch-katholische Kirchengemeinde Mittlere Ortenau. Das schreibt die Römiscb-Katholische Kirchengemeinde Mittlere Ortenau in einer Pressemitteilung.

61.000 gläubige Katholik:innen

Die Pfarrei Heilig Kreuz Offenburg umfasst demnach die Seelsorgeeinheiten Offenburg St. Ursula, Vorderes Kinzigtal St. Pirmin, Schutterwald-Hohberg-Neuried, Kehl und Hanauerland sowie die Pfarreien Durbach und Ebersweier. Sie erstreckt sich auf einer Fläche von rund knapp 489 Quadratkilometern von Rheinau im Norden bis zu Schutterzell im Süden und vom Rhein im Westen bis zum Durbach Gebirg und Gengenbach im Osten. Die Zahl der Katholik:innen in der neuen Kirchengemeinde wird mit 61.000 angegeben. Seelsorgeeinheiten und Dekanate in ihrer jetzigen Form werde es zukünftig nicht mehr geben.

Sinkende Einnahmen

„Viele Menschen kommen gut ohne Gott zurecht“, wird Pfarrer Dr. Stefan Meisert zitiert, der die neue Kirchengemeinde Mittlere Ortenau leiten wird. Aufgrund der konstant sinkenden Kirchensteuereinnahmen bei gleichzeitig steigenden Ausgaben sah sich Erzdiözese zum Handeln gezwungen. So sei die Strukturreform eine Antwort auf diesen tiefgreifenden Wandel in der Gesellschaft.

Bündelung von Aufgaben

Auch die Zahl der Haupt- und Ehrenamtlichen habe in den vergangenen Jahren abgenommen. „Die Bündelung von Verwaltungsaufgaben ist ein wichtiger Schritt, um in der Pastoral und der Arbeit für die Menschen weiter handlungsfähig zu bleiben“, erläutert Meisert.

Kirche Heilig Kreuz Offenburg

Die Kirche Heilig Kreuz in Offenburg. Foto: Pfarrei Heilig Kreuz

„Die Gemeinden stärken“

Die große Transformation sei über mehrere Jahre angelegt und laufe unter dem Schlagwort „Kirchenentwicklung 2030“. Sie unterscheide sich jedoch maßgeblich von anderen infrastrukturellen Prozessen, bei denen kleinere Ortschaften oft die Verlierer seien. „Wir wollen ganz im Gegenteil die Gemeinden stärken“, betont Pfarrer Meisert. „Denn die Kirche lebt im Ort.“

Engagement für Mitmenschen

In den Dörfern und Stadtteilen sei der Glaube und die Gemeinschaft in vielen Facetten lebendig. Dort würden sich junge und alte Gläubige für die Kirche und ihre Mitmenschen engagieren. „Wir ziehen uns nicht zurück“, antwortet der gebürtige Baden-Badener auf Sorgen, die im Vorfeld des Prozesses geäußert wurden. „Wie konzentrieren vielmehr unsere Aufgaben, um mit den jetzigen und zukünftigen Ressourcen gut für die Menschen da sein zu können.“

Mittelfristige Konzentrierungen

Die bisherigen 31 Pfarreien würden als Gemeinden weiterhin pastorale Größen mit einem direkten Ansprechpartner bleiben. Dies können Priester, Pastoralreferenten oder Gemeindereferenten sein. Und auch die Pfarrbüros stünden auf dem gesamten Gebiet der Mittleren Ortenau weiterhin zur Verfügung, selbst wenn es mittelfristig zu Konzentrierungen kommen werde.

Neue Aufgabenverteilung

Statt Entlassungen habe die Pfarrgemeinde einen neue Stelle geschaffen. So soll Jacqueline Antoni als Multiplikatorin in den Gemeinden fungieren. Als Referentin für Engagementförderung werde Antoni die Ehrenamtlichen in ihrer Arbeits stärken. Neu ist auch das Leitungsteam mit Pfarrer Dr. Stefan Meisert, seinem Vertreter, Pfarrer Karlheinz Kläger, der leitenden Referentin Cornelia Dilger, dem Pfarreiökonom Markus Doll sowie dessen Stellvertreterinnen Stefanie Brunner und Stefanie Meyer.

Kommunikation gestärkt

Neu dabei ist auch Silke Keil als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit. Mit ihr werde die innere und äußere Kommunikation neu aufgestellt. Am 19. Oktober wurde der Pfarreirat gewählt, ein ehrenamtliches Gremium, das die zentralen Belange der neuen Kirchengemeinde lenke. Sitz der Kirchengemeinde Mittlere Ortenau und ihrer Verwaltung („Pfarrei“) ist Offenburg; als Pfarrkirche dient die Heilig-Kreuz-Kirche.

Bild: Das Leitungsteam der neuen kath. Kirchengemeinde Mittlere Ortenau (von links): Markus Doll (Pfarreiökonom), Karlheinz Kläger (Stellvertr. Pfarrer), Cornelia Dilger (Leitende Referentin) und Dr. Stefan Meisert (Leitender Pfarrer).

red/Wolfgang Huber

Siehe auch hier:

Katholische Kirche im Südwesten kämpft um besseres Image

Kirchenreform 2030: Mittlere Ortenau bereitet sich mit neuem katholischen Pfarreirat auf die Zukunft vor

Banner Messe Offenburg
BA Immobilien

Weitere Beiträge