Mit Spannung war die Bekanntgabe von Offenburgs Oberbürgermeister Marco Steffens erwartet worden, ob er im November 2026 erneut zur OB-Wahl antreten würde. Nun hat die Stadt Offenburg Steffens Entscheidung bekannt gegeben und der Presse seine Erklärung zukommen lassen. Demnach wird Marco Steffens nicht mehr zur Wahl antreten. Diese Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, doch letztlich wolle er sich mehr um seine Familie kümmern. Insbesondere sein Vater bräuchte seine Unterstützung. Wir dokumentieren die Erklärung des OB hier in voller Länge.
Der gebürtige Niedereschacher war nach seinem Studium der Verwaltungswissenschaften zunächst persönlicher Referent des baden-württembergischen Landwirtschaftsministers. 2007 wurde er zum Bürgermeister von Willstätt gewählt, 2015 im Amt bestätigt und schließlich 2018 mit 52 Prozent der Stimmen zum OB von Offenburg gewählt. Somit steht aktuell lediglich Uli Albicker als OB-Kandidat fest.
Die Erklärung von Marco Steffens
„Sehr geehrte Damen und Herren,
ich möchte Sie über eine persönliche und zugleich politische Entscheidung informieren. Im Oktober dieses Jahres wird in unserer Stadt die Oberbürgermeisterwahl stattfinden. Nach sehr reiflicher Überlegung habe ich mich entschieden, bei dieser Wahl nicht mehr anzutreten. Diese Entscheidung ist mir alles andere als leichtgefallen. Denn das Amt des Oberbürgermeisters ist für mich nicht einfach ein Beruf. Es ist eine Berufung.
Und es ist ein Amt, das eines ganz klar verlangt: Kopf und Herz müssen eins sein. Genau das war es für mich über 19 Jahre hinweg – bis heute. Das Amt des Oberbürgermeisters ist ein 24-Stunden-Job, sieben Tage die Woche. Es kennt keine festen Arbeitszeiten, keine echten Feierabende und nur selten Pausen. Es fordert viel Kraft, Verantwortung und Präsenz. Aber es schenkt auch sehr viel zurück. Es ist eine Aufgabe, die mir große Freude bereitet hat.
Ich durfte in all den Jahren unglaublich viele engagierte, kluge und herzliche Menschen kennenlernen. Gemeinsam haben wir Projekte angestoßen, Entscheidungen getroffen, manchmal gerungen, oft gestaltet – und unsere Stadt Schritt für Schritt weiterentwickelt. Dafür bin ich sehr dankbar. Ein solches Amt ist jedoch nie nur eine Herausforderung für den Amtsinhaber selbst. Es ist immer auch eine Herausforderung für die Familie. Deshalb möchte ich an dieser Stelle meiner Familie von Herzen danken. Für Geduld, Verständnis, Rückhalt und Unterstützung über all die Jahre hinweg.
Ich bin in einem Drei-Generationen-Haushalt aufgewachsen. Dort habe ich früh gelernt, was Zusammenhalt bedeutet. Ich habe gelernt: Wenn es darauf ankommt, dann ist Familie füreinander da. Heute ist es so, dass es meinen Eltern gesundheitlich nicht gut geht. Insbesondere mein Vater braucht meine Unterstützung und meine Zeit. Das Amt des Oberbürgermeisters bringt viele Verpflichtungen mit sich – auch und gerade an den Wochenenden. Doch genau diese Wochenenden sind für mich inzwischen besonders wichtig geworden, um für meine Eltern da zu sein, um Zeit mit ihnen zu verbringen und Verantwortung zu übernehmen.
Und genau an diesem Punkt sind wir wieder bei Kopf und Herz. Beides muss in diesem Amt zusammenpassen. Und ich habe für mich festgestellt: Es ist der richtige Zeitpunkt, eine bewusste Entscheidung zu treffen. Für Offenburg haben wir gemeinsam eine gute, tragfähige und zukunftsorientierte Agenda für die kommenden Jahre erarbeitet. Gerne hätte ich diese auch weiterhin aktiv mit umgesetzt. Umso wichtiger ist mir eines ganz klar zu sagen: Bis zum Ende meiner Amtszeit im November werde ich all meine Kraft, meine Erfahrung und mein Engagement weiterhin voll und ganz in den Dienst unserer Stadt stellen. Es gibt keinen Abschied auf halber Strecke.
Das Amt des Oberbürgermeisters war und ist für mich eine große Ehre. Offenburg ist eine Stadt mit großartigen Menschen – engagiert, kritisch, herzlich und verantwortungsbewusst. Für diese Stadt arbeiten zu dürfen, für ihre Bürgerinnen und Bürger Verantwortung zu tragen, war und bleibt für mich eine große Freude. Ich danke Ihnen allen für das Vertrauen, das Sie mir über viele Jahre hinweg entgegengebracht haben.“
Marco Steffens
Siehe auch hier:
Offenburg ehrt Holocaust-Überlebende: Eva Mendelsson ist Ehrenbürgerin / Rede von OB Steffens
Ist die offizielle Website der Stadt Offenburg über den Bürgerentscheid zum Flugplatz rechtskonform?