Der weltweit renommierte Künstler Tim Otto Roth aus Oppenau steht vor seiner nächsten Ausstellung, diesmal im österreichischen Innsbruck. Er widmet sich in Ultra der Verbindung von Kunst und Wissenschaft – mit einer immersiven Licht- und Klanginstallation, die das wissenschaftliche Erbe von Marietta Blau erfahrbar macht. Roths Werke bewegen sich an der Schnittstelle von Naturwissenschaft und ästhetischer Erfahrung.
444 leuchtende Lautsprecher
Seine künstlerische Praxis umfasst Kollaborationen mit Institutionen wie der Max-Planck-Gesellschaft, der NASA, dem IceCube-Observatorium oder der Europäischen Südsternwarte. Im Fokus steht das speziell für Innsbruck adaptierte Klanglabor [aiskju:b] – bestehend aus 444 leuchtenden Lautsprechern, gespeist mit Daten des IceCube-Neutrino-Observatoriums.
Installation IceCube (oben). Christoph Spiering und Tim Otto Roth (rechts). Fotos: Imachination Projects.
Kosmische Strahlung
70 leuchtende Lautsprecherskulpturen verwandeln die mittels Filterfolien in ein tiefes Blau getauchte historische Turbinenhalle des KG17 in der Kirchgasse 17 im Innsbrucker Stadtteil Mühlau in ein Klanglaboratorium. Die ätherischen Licht- und Tonbewegungen dieser neuen [aiskju:b]-Produktion verweisen auf die Entdeckungsgeschichte der kosmischen Strahlung an der Victor Franz Hess Forschungsstation am Innsbrucker Hausberg Hafelekar.
Räumlich-musikalisches Erlebnis
Die maßgeblich von oben nach unten verlaufenden Bewegungen lassen die unsichtbare ionisierende Strahlung aus dem Weltall nicht nur sinnlich erfahrbar werden, sondern die in Tonhöhen übersetzten Energien werden auch zu einem räumlich-musikalischen Erlebnis. Die „natürliche Partitur“ für die verschiedenen Stücke basiert auf sehr unterschiedlichen Datensätzen aus den Neutrino-Observatorien IceCube, KM3NeT und ANTARES.
Sinnlich erfahrbar
Was dort in der Antarktis gemessen wird, wird in Ultra zur Klang- und Lichtpartitur, die kosmische Prozesse für Besucher:innen sinnlich erfahrbar macht. Der Titel Ultra verweist nicht nur auf die alte Bezeichnung der kosmischen Strahlung als „Ultrastrahlung“, sondern lädt auch dazu ein, sich mit Phänomenen auseinanderzusetzen, die zwar überall sind, aber unseren Sinnen verborgen bleiben.
In einem Observatorium in der Antarktis werden kosmische Strahlen gemessen. Foto: Imachination Projects.
Wissenschaftliche Sensation
1937 gelang am Hafelekar eine weitere wissenschaftliche Sensation: Marietta Blau und ihre Assistentin Hertha Wambacher beobachteten erstmals, wie ein hochenergetisches Teilchen einen Atomkern zertrümmerte – dokumentiert auf speziellen Fotoplatten. Doch nach dem „Anschluss“ Österreichs an das NS-Regime musste Blau, als Jüdin verfolgt, ins Exil fliehen. Ihre Forschung wurde von ihrer Assistentin ohne angemessene Anerkennung weitergeführt. Blau steht exemplarisch für viele Frauen, deren wissenschaftliche Leistungen unsichtbar gemacht wurden – durch politische Umstände, Diskriminierung oder bewusste Ausgrenzung.
Pionierleistungen Marietta Blaus
Eine kleine begleitende Ausstellung ist den heute vergessenen kernphysikalischen Pionierleistungen Marietta Blaus gewidmet: Mit den von ihr entwickelten Kernspurplatten entdeckte sie 1937 auf dem Hafelekar erstmals sogenannte Kernzertrümmerungssterne, die von hochenergetischen kosmischen Teilchen ausgelöst wurden.
Dialog über Genderfragen
Das Projekt Ultra setzt ein kraftvolles Zeichen für Sichtbarkeit und Erinnerung. Es thematisiert die strukturellen Hürden, denen Frauen in der Wissenschaft ausgesetzt waren und sind – und rückt gesellschaftliche Fragen wie Gleichstellung, Anerkennung und Teilhabe ins Zentrum. Eine begleitende Vorlesung mit Paneldiskussion unter Beteiligung einer Physikerin der Universität Innsbruck stellt den Bezug zur aktuellen Forschung her und lädt ein zum Dialog über Genderfragen in der Wissenschaft.
ULTRA | memoria cosmica
Aussstellung vom 5. September 2025 bis 24. Oktober 2025
Vernissage: Freitag, 5. September 2025, 19 Uhr
Ort: KG17, Kirchgasse 17, 6020 Innsbruck / Mühlau
Öffnungszeiten: Freitags und Sonntags, jeweils 16 bis 20 Uhr
Info:
Ein Begleitprogramm mit der Universität Innsbruck diskutiert die Rolle von Frauen in der Wissenschaft und unternimmt eine Exkursion zur Messstation auf dem Hafelekar (siehe Website KG17)
Internet:
Website KG17 (Innsbruck)
Website imachination projects (Tim Otto Roth)
Siehe auch hier:
Tim Otto Roth: „Wo Natur drauf steht, ist auch Natur drin“
Tim Otto Roth: „In der Stunde Null stand hier so gut wie kein Baum mehr“
Video mit IceCube aus dem Mussée des Arts es des Metiers (Paris):
Ödsbacher Straße 6
77704 Oberkirch
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