Früher war das einfach: im August herrschte Sommerpause, der Ausstellungsbetrieb ruhte weitgehend, weil das Publikum auf Reisen war. Im September startete dann die neue Ausstellungssaison; der Appetit auf Kunst kam zurück. Heute ist dieses Bild nicht mehr so eindeutig. Das lehrt ein Blick auf die wesentlichen Ausstellungsorte in der Ortenau.
„Why not?“ noch bis 28. September
Beispiel Offenburg: Die Städtische Galerie im Kulturforum kennt keine Sommerpause und zeigt seit dem 17. Mai und noch bis zum 19. Oktober die Aufsehen erregende Schau des realistischen Malers Stefan Birkeneder „Nur für Personal“. Ebenso das Museum im Ritterhaus, das seit dem 8. März und noch bis zum 28. September die Schau „Why not?“ über 150 Jahre Geschichte des Sexspielzeugs vorstellt – wohl mit geteiltem Echo, wie der etwas versteckte Hinweis auf der Homepage des Museums zeigt.
Lyrisch wirkende Leichtigkeit
Eine Ausnahme macht nur der Offenburger Kunstverein, der Ende September mit seinem neuen Programm beginnt und zwei Lokalmatadoren vorstellt, die man in der Ortenau schon seit vielen Jahren kennt: den Holzschnittkünstler Manfred Schlindwein und den Maler Johannes Renzenbrink. Manfred Schlindwein erweitert die klassische Darreichungsform des Hochdrucks, indem er collagenartig Versatzstücke miteinander kombiniert und dadurch eine geradezu lyrisch wirkende Leichtigkeit mit skripturalen Elementen erreicht.
Große Formate
Johannes Renzenbrink, früher bekannt durch sehr zarte Aquarelle, ist nun stärker in die reine Malerei eingestiegen, indem er abstrakte Strukturen auch in großen Formaten miteinander kombiniert. Beide Künstler sind auch als Lehrende eine Institution in der Region: Schlindwein als erfahrener Leiter von Kursen in der ganzen Republik, Renzenbrink viele Jahre als Kunstlehrer an der Walldorfschule. Ihre Ausstellung im Kunstverein wird am 26. September eröffnet und dauert bis zum 20. Dezember.
Historisches Monument
Ein weiterer Lokalmatador ist Armin Göhringer aus Zell am Harmersbach, dessen filigrane Holzskulpturen international geschätzt werden. Er stellt gerade an einem Ort aus, der etwas umständlich zu erreichen ist, aber ein historisches Monument darstellt und zeitweise einen berühmten Bewohner hatte. Göhringer stellt zusammen mit dem 2008 gestorbenen abstrakten Maler Helmut Sturm (Gruppe „Spur“, München) in der Galerie von Titus Koch auf Schloss Randegg, bei Gottmadingen, direkt an der Schweizer Grenze gelegen, aus.
Weltstar Otto Dix verbrachte 6 Jahre auf Schloss Randegg. Foto: Braxmaier
Freund von Otto Dix
1214 wurde das Schloss erstmals urkundlich erwähnt, in den Jahrhunderten danach mehrfach zerstört. Seit 1923 gehört es der Familie Koch. Der Großvater von Titus Koch, Hans Koch, war Arzt und Kunstsammler aus dem Rheinland, ein enger Freund des großen Realisten Otto Dix. Nach dem Tod von Hans Koch heiratete Dix dessen Witwe Martha Koch. In der Zeit seines Malverbotes lebte Otto Dix von 1933 bis 36 auf Schloss Randegg. Titus Koch setzt mit seiner Galerie und der alle zwei Jahre in mehreren Städten veranstalteten Gruppenausstellung „Experimentelle“ diese Tradition fort.
Wichtige Akzente
Einer seiner Sammlungsschwerpunkte sind die „Spur“-Künstler, die in der Nachkriegsmalerei Deutschlands wichtige Akzente setzten. Der berühmteste von ihnen, Helmut Sturm (1932 – 2008), war auch gern gesehener Gast auf Schloss Randegg. Die Ausstellung mit ihm und Armin Göhringer dauert noch bis zum 21. September, geöffnet Samstag und Sonntag von 13 bis 18 Uhr oder nach Absprache (Tel.: 0175 5658568).
Deutsch-französisches Projekt
Schließlich beginnt auch der Künstlerkreis Ortenau in seiner Galerie im Artforum im September die neue Saison – und zwar mit einem interessanten deutsch-französischen Projekt. Unter dem Titel „Neither here – nor there“ präsentieren je vier Künstler beiderseits des Rheins ihre „Correspondence“. Das heißt, sie haben sich im Vorfeld kennengelernt und über ihre Arbeiten korrespondiert. Im Künstlerkreis stellen sich folgende Paarungen vor: Sasha Koura und Violaine Chansonnet, Eva Wittig und Élise Planhard, Boglárka Banassa und Hèléne Thiennot sowie Christoph Dinges und Bill Noir. Die Ausstellung dauert vom 19. September bis zum 19. Oktober.
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