Doch Vorsicht: es wäre so schön geworden, aber der Hinweis auf eine Schau, die in exzentrischer Weise den Punkt in der Bildenden Kunst abhandelt, beginnt mit einer Reisewarnung: Die Ausstellung der 96jährigen japanischen Künstlerin Yayoi Kusawa in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel hat schon im Dezember alle bisherigen Rekorde des Hauses gebrochen und über 120 000 Besucher angelockt und ist bis zu ihrem Ende am 25. Januar restlos ausverkauft, obwohl das Haus bereits seine Öffnungszeiten verlängert hat.
Einzigartige Erscheinung
Yayoi Kusawa ist eine einzigartige Erscheinung in der Kunstszene und hat sich in ihrem langen Kunstleben manisch mit dem Thema „Punkt“ auseinandergesetzt („Polka Dots“) – von kleinformatigen Gemälden bis zu ganzen Rauminstallationen. Natürlich kann man riskieren, sich einfach morgens um neun in die Besucherschlange zu stellen, denn das Museum hält täglich für „Härtefälle“ kleine Ticket-Kontingente bereit.
Große Cezanne-Ausstellung
Sicherer wäre aber, eine der beiden nächsten Stationen der Schau anzusteuern – entweder im Museum Ludwig in Köln (14. März – 2. August 2026) oder im Stedelijk Museum in Amsterdam (11. September 2026 – 17. Januar 2027). In Riehen wird es aber weiterhin eng zugehen, denn am 25. Januar öffnet der nächste „Blockbuster“ – die große Cezanne-Ausstellung mit rund 80 Gemälden des Großmeisters der klassischen Modernen.
Jahresausstellung des Künstlerkreises
Schreiten wir vom Punkt zur Linie, dann wird es regionaler und sicher auch nicht so überfüllt. Am Sonntag, 18. Januar, wird um 11 Uhr die jurierte Jahresausstellung des Künstlerkreises Ortenau in der Galerie im Artforum in Offenburg eröffnet: Das Thema: „Linie“. Die Ortenauer Künstler widmen sich also der Basis jeder formalen Gestaltung – oder, wie es in der Einladung heißt: „Sie trägt, verbindet, öffnet Raum für neue Sicht. Sie nimmt Form an und lässt das Unsichtbare Gestalt werden“.

Gabi Streile ist in Offenburg mit fruchtigen Melonenschnitzen vertreten. Foto: Nicole Braxmaier
Grundlegende Klassifizierung
Paul Klee, ein Großmeister der klassischen Moderne und Lehrer am berühmten Bauhaus, hat das Element der Linie schon vor hundert Jahren erforscht und ist dabei zu folgender grundlegender Klassifizierung gekommen. Klee unterscheidet die „aktive“, die „passive“ und die „mediale Linie“. Die aktive Linie steht nur für sich selbst und hat keine gegenstandsbeschreibende Funktion, die passive Linie dagegen steht im Dienst der Gegenstandsbeschreibung und die mediale Linie entsteht laut Klee als Grenze zwischen zwei unterschiedlichen Flächen. Mit diesem Wissen hat man jedoch noch nicht den Schlüssel zur Herstellung eines Kunstwerks, aber es ist immerhin tröstlich, dass auch moderne Kunst nach strengen Kriterien funktioniert.
Verlosung von Kunstwerken
Die Ausstellung „Linie“ im Künstlerkreis wird dafür hoffentlich aktuelle Beispiele geben. Sie dauert bis zum 25. Februar und ist freitags von 17 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Zur Eröffnung am 18. Januar hat man einen alten Brauch wieder aufgenommen und veranstaltet den beliebten Neujahrsempfang mit Buffet und einer Verlosung von Kunstwerken, die von den beteiligten Künstlern gespendet wurden.
Hochkarätige Beispiele
Der letzte Tipp hat nichts mit den manchmal trockenen Elementen der Kunst zu tun, ist aber schon deshalb sehr saftig, weil er unter dem Titel „fruchtig!“ eine spezielle Kunstsammlung mit hochkarätigen Beispielen vorstellt. In der Städtischen Galerie Offenburg wird bis zum 26. April ein Querschnitt der privaten Kunstsammlung des Heidelberger Unternehmers Rainer Wild gezeigt. Rund 40 Arbeiten von der Zeichnung über Malerei bis zu Objekt und Skulptur – und alle haben eine Frucht zum Gegenstand.
Einzige Künstler der Region
Dass man daraus eine sehr gute Ausstellung machen kann, wenn man geeignete Werke zur Hand hat, zeigt die großzügige Inszenierung im Kulturforum beispielgebend. Und neben den Werken berühmter Zeitgenossen wie Andy Warhol, Fernand Botero oder Salvador Dali behaupten sich Gabi Streile und Werner Schmidt, die als einzige Künstler der Region in der Sammlung vertreten sind, souverän (bis 26. April; geöffnet Mittwoch – Freitag 14-18 Uhr, Samstag und Sonntag 11-17 Uhr).
Siehe auch hier:
Rainers Glosse #9: Weihnachtskunst voller Strahlkraft: Rainer Braxmaiers Reise zum Isenheimer Altar
Rainers Glosse #8: Am 7. November eröffnet die große Schau über Josef Beuys – „Bewohnte Mythen“