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Vom Mobbing-Opfer zum Hoffnungsträger: Europa-Park-Mitarbeiter Mattéo und ein Brief von Emmanuel Macron

Mattéo Jacques und Emmanuel Macron
© privat – Im November traf Mattéo Jacques Präsident Emmanuel Macron.
Ein Brief aus dem Élysée-Palast verändert manchmal mehr als nur einen Moment. Für Mattéo Jacques, Mitarbeiter im Europa-Park und engagierter Gegner von Mobbing, wurde eine Begegnung mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu einem emotionalen Wendepunkt. Nach einer bewegenden Rede erhielt der 22-Jährige überraschend Post vom Staatsoberhaupt. Seine Geschichte erzählt von schweren Schuljahren, neuer Hoffnung und einem jungen Mann, der heute für Mut und Zukunftsträume steht.
Von Martin Ullrich

Neben vielen Stars kommt heute wieder einmal ein Mitarbeiter aus dem Europa-Park Erlebnis-Ressort zum Zuge, der über seine Erfahrung mit einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron spricht und über einen Brief von ihm.

Brief vom Präsidenten

Mattéo Jacques, der in der Schule gemobbt wurde, sprach Ende November in Mirecourt bei der von der EBRA Medienguppe organisierten Veranstaltung „Im Gespräch mit Lesern“ zusammen mit Emmanuel Macron. Der Präsident sandte ihm einen Brief, der kurz vor Weihnachten ankam. Den kurzen Satz „Dein Gesicht, wenn du einen Brief vom Präsidenten bekommst“ postete Mattéo am 23. Dezember unter einem echten Beitrag in den sozialen Medien.

Vom Elsass nach Rust

„Ich ging vor der Arbeit zum Briefkasten und da lag ein Umschlag, adressiert von meinem Präsidenten. Ich setzte mich ins Auto und las ihn mir in Ruhe durch, bevor ich losfuhr“, erzählt der junge Mann, der zur Arbeit vom Elsass nach Rust pendelt. „Ich hatte gar nicht mehr damit gerechnet, ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, jemals wieder Post zu bekommen“, war Mattéo überrascht.

Schwere Zeiten in der Schule

Mattéo sprach über die schweren Zeiten, die er während seiner Schulzeit durchgemacht hatte. „Oft gekämpft, manchmal geschlagen, aber niemals besiegt“, erklärte er in den sozialen Medien. Macron war von der Rede des jungen Mannes sichtlich bewegt. Im Anschluss an die Veranstaltung hatte Mattéo die Gelegenheit, mit dem Präsidenten zu sprechen und ihm einen Brief zu überreichen. Auf diesen Brief antwortete Macron mit einigen handschriftlichen Passagen.

Mattéo Jacques

Der Brief von Emmanuel Macron kam kurz vor Heilig Abend. Foto: Martin Ullrich

„Unerschütterliche Entschlossenheit“

„Tief bewegt von Ihrem Zeugnis, möchte ich Ihnen nochmals meinen Dank für Ihre Beharrlichkeit und Ihren Mut angesichts der erlittenen Prüfungen aussprechen“, erklärt der Präsident, der seine unerschütterliche Entschlossenheit zum Kampf gegen jede Form von Diskriminierung bekräftigt. Er lobt zudem Mattéos bürgerschaftliches Engagement. Der Brief ist mit den Worten unterzeichnet „In freundschaftlicher Verbundenheit, nochmals vielen Dank.“

Handschrift schwer lesbar

Meine Mutter und ich brauchten eine Weile, um seine Handschrift zu entziffern, weil sie schwer lesbar ist, sagt Mattéo, der sehr stolz darauf ist, eine Antwort vom Staatsoberhaupt erhalten zu haben. Eine Art vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Macron ermutigte Mattéo, stets an sich selbst zu glauben, und sicherte ihm seine volle Unterstützung bei der Verfolgung seiner Ziele zu. Mattéo, der im Europa-Park arbeitet, aktuell im 4D-Kino, ist auch Sänger. Der Fan von Michel Sardou, der bereits an mehreren Gesangswettbewerben teilgenommen hat, träumt von einer Karriere als professioneller Sänger.

Europa-Park Fan seit der Kindheit

Mattéo Jacques ist 22 Jahre alt. Seit seiner Kindheit ist er ein großer Fan des Europa-Parks. Um ehrlich zu sein, waren seine Geburtsfotos bereits mit einem Rahmen von Ed Euromaus umrandet. In der achten Klasse seiner Mittelschule in Saint-Dié in den Vogesen, wo er geboren wurde, schrieb er bereits in Schulfragebögen, dass es sein größter Traum sei, im Europa-Park zu arbeiten. Er hat in Colmar studiert, im Studiengang Tec2tour (ein Studiengang ähnlich dem von IBM, den auch Michael Mack absolviert hat), wo er Tourismus und Handel auf bilingualer Ebene (deutsch-französisch) gelernt hat. „Ich glaube, ich hatte schon damals das Ziel vor Augen, eine Karriere im Europa-Park zu machen.“

Ohne Europa-Park nicht mehr am Leben

Im Interview schildert Mattéo, dass der Park sein Leben gerettet hat, denn er war seine Zuflucht, als er gemobbt wurde, und ohne den Park wäre er heute sicherlich nicht mehr am Leben. Als Zeugnis dafür möchte er sich demnächst ein Tattoo mit Bezug zum Freizeitpark stechen lassen, das den Satz „Feel free” zeigt, denn der Park ist einer der wenigen Orte, an denen er sich frei fühlt. Außerdem möchte er dieses Tattoo von dem Mann signieren lassen, ohne den all das nicht möglich gewesen wäre: Dr. Roland Mack.

Interview mit Mattéo Jacques

Ortenau Journal: Beschreibe mal deine Gefühle, als du Macron begegnet bist, warst du sehr aufgeregt?

Mattéo Jacques: Ja, sehr! Ob man Emmanuel Macron nun mag oder nicht, für einen jungen Menschen wie mich ist es eine einmalige Gelegenheit, den Präsidenten der Republik zu treffen, und diese Chance muss man nutzen. Wenn das Anliegen, für das man sich einsetzt, so wichtig ist, dass es heute zwischen 800.000 und 1 Million Schüler betrifft, die in Frankreich Opfer von Mobbing in der Schule sind, darf man keinen Fehler machen, sondern muss alles tun, damit es perfekt läuft. Die Frage, die ich dem französischen Staatspräsidenten stellen durfte, habe ich stundenlang vorbereitet, ebenso wie meine Argumente, und bis zur letzten Sekunde habe ich präzisiert und geändert, was ich ihm sagen wollte, damit im entscheidenden Moment Emotionen, Aufrichtigkeit und Zeugnis gegeben waren.

Mattéo Jacques

Foto: privat

Ortenau Journal: Wie lange arbeitest du schon im EP?

Mattéo Jacques: Ich arbeite seit Ende April 2024 im Europa-Park, also seit fast zwei Jahren.

Ortenau Journal: Wie bist du hier gelandet?

Mattéo Jacques: Ich wurde vom Europa-Park auf einer Jobmesse in Colmar im Elsass entdeckt, wo man mir einen Saisonjob anbot. Der Zeitpunkt war jedoch ungünstig, da ich bereits als Kontrolleur bei der SNCF in Ausbildung war. Da die Erfahrung bei der SNCF nicht überzeugend war, nahm ich all meinen Mut zusammen und bewarb mich erneut über die Homepage des Europa-Parks. Für mich bedeutete das, aus meiner Heimat wegzuziehen, meine Familie zu verlassen, die mich in meinen Schwierigkeiten sehr unterstützt hatte, und mich mit einer Sprache (Deutsch) auseinanderzusetzen, die zu dieser Zeit nicht wirklich meine Stärke war. Aber die Personalabteilung des Europa-Parks kontaktierte mich für ein Vorstellungsgespräch, ich bestand das Gespräch und die Dame teilte mir mit, dass ich angenommen war. Das war einer der schönsten Tage meines Lebens.

Ortenau Journal: Welche Tätigkeiten machst du?

Mattéo Jacques: Als ich eines Tages privat in der Warteschlange bei Voltron stand, bekam ich einen Anruf aus der Personalabteilung und erhielt eine Zusage. Ich konnte mich zwischen den „Piraten von Batavia“ und der Einlasskontrolle entscheiden. Mein Entschluss fiel zu Gunsten der Einlasskontrolle. Heute arbeite ich aufgrund leichter gesundheitlicher Probleme im Magic Cinema 4D, um meinen Rücken zu schonen. Zum Ende der Wintersaison durfte ich im Zirkus arbeiten.

Ortenau Journal: Wie genau und warum wurdest du in der Schule gemobbt?

Mattéo Jacques: Zwei komplizierte Fragen, wie und warum, wie lässt sich die grundlose Gewalt erklären, die ein Kind im Alter von 13 und später etwa 17 Jahren erleiden musste? Wie? Das Mobbing, das ich erlebt habe, verlief in zwei Phasen. Während meiner Zeit in der Mittelschule handelte es sich hauptsächlich, aber nicht ausschließlich um körperliche Gewalt. Schläge, Demütigungen und Beleidigungen überall, auf dem Schulhof und bis nach Hause. Für einen 13-jährigen Jungen, der damals ziemlich zerbrechlich war, bedeutete das Tränen, Leiden, mangelndes Selbstvertrauen und in meinem Fall wollte ich mir sogar das Leben nehmen. Meine Zeit an der weiterführenden Schule war etwas einfacher, aber das Leiden war genauso stark, wenn nicht sogar stärker als in der ersten Situation. Mein damaliger bester Freund schreib ein 6-seitiges Buch über mich – voller Hass, Lügen, Verzerrungen und Homophobie. Es brachte mich dazu, ein zweites Mal zu versuchen, meinem Leben ein Ende zu setzen.

Ortenau Journal: Bist auch gerne privat im Park?

Mattéo Jacques: Ja, natürlich. Ich bin eigentlich sehr regelmäßig privat im Park, ich würde sagen, ich bin drei- bis viermal im Monat privat im Park. In diesem Winter fange ich manchmal um 15 Uhr mit den Abendvorstellungen im Kino an. Deshalb gehe ich sehr oft in den Park, um mir die Vorstellung um 12.15 Uhr von „Monte Carlo Circus Festival meets Europapark” anzusehen.

Ortenau Journal: Was ist deine Lieblings-Show oder dein liebstes Fahrgeschäft?

Mattéo Jacques

Foto: Martin Ullrich

Mattéo Jacques: Wenn wir über den Europa-Park sprechen, ist meine Lieblingsattraktion nicht wie bei 90 Prozent meiner EP-Freunde der berühmte Voltron, sondern der Eurosat – CanCan Coaster, den ich sehr gerne fahre. Was die anderen Parks angeht, mag ich im Efteling natürlich „Danse Macabre” und im Phantasialand die Attraktion „Colorado Adventure”. Meine Lieblingsshows im Efteling ist „Raveleijn”. Im Phantasialand ist die Wahl schwieriger, aber ich würde sagen, dass mein Herz für die Show „Battle of The Best” schlägt. Wenn ich zum Europa-Park zurückkomme, liebe ich alle Shows, das hängt natürlich vom jeweiligen Jahr ab, aber im Jubiläumsjahr stechen drei Shows besonders hervor Eds Parade zum 50-jährigen Jubiläum, „Monte Carlo Circus Festival meets Europapark” und schließlich „Die Legende des Zorro”, bei der ich wunderbare Menschen kennenlernen durfte kennenlernen durfte, insbesondere einen Reiter namens Macéo Beauval, den ich gerne hervorheben möchte.

Ortenau Journal: Hast du Hobbys?

Mattéo Jacques: Ich habe ziemlich viele Hobbys. Wir haben bereits über den Europa-Park gesprochen, aber ich interessiere mich auch sehr für Gesang, Theater und Freizeitparks im Allgemeinen. Außerdem mag ich kochen, Musik im Allgemeinen und lange Gespräche mit Menschen. Ich bin sehr kontaktfreudig und gehe davon aus, dass man fast alles vom anderen und im Austausch mit dem anderen lernt. Schließlich gehören auch Politik und Religion zu den Interessen, die mein Privatleben ausfüllen.

Ortenau Journal: Was macht die Karriere als Sänger?

Mattéo Jacques: Ich glaube, ich kann sagen, dass mein erster Auftritt zu Hause stattfand, ja, mein erstes Publikum ist meine Familie, kein Familienessen vergeht, ohne dass sie mich bitten, ihre Lieblingslieder zu singen, und das zu meiner größten Freude. Aber es mangelt nicht an anderen Auftrittsorten. Auftreten durfte ich bei offenen Bühnen in Colmar, bei Gesangswettbewerben in Saint Dié und Raon l’étape, in Seniorenheimen, bei Online-Konzerten sowie auf meinem YouTube-Kanal, und die Liste ist lang.

Ortenau Journal: Wo bist du in Zukunft zu hören?

Mattéo Jacques: Mein nächstes Projekt ist ein Privatkonzert für ein Paar, das mich bei einem meiner Konzerte gehört hat und mich unbedingt für eine ihrer Veranstaltungen auf der Bühne haben wollte. Aber ich will nicht verheimlichen, dass es mein größter Wunsch wäre, im Europa-Park singen zu dürfen. In die Riege der Sänger des Europa-Parks aufgenommen zu werden: Pascal Vecca, Ornella De Santis, Sofia Zhurba, Juan Ricondo und all die anderen Namen, die meine Kinderaugen zum Leuchten gebracht haben und die auch heute noch mein Herz höher schlagen lassen, wäre das schönste Geschenk, das mir das Leben machen könnte.

Siehe auch hier:

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