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Eine Weltreise (4): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So reiste Christian Huber um die Welt – Heute: Nepal

Reisebericht Christian Huber
© Christian Huber – Der Weltreisende Christian Huber überquert eine Hängebrücke in Nepal.
Was passiert, wenn man den Alltag für ein Jahr hinter sich lässt und einfach losfährt? Der gebürtige Oberkircher Christian Huber hat genau das getan: Mit dem Fahrrad startete er vor seiner Haustür Richtung Athen, später ging es mit dem Rucksack quer durch Asien und Ozeanien. Zwischen Bikepacking, spontanen Entscheidungen und akribischer Vorbereitung erzählt seine Geschichte von Freiheit, Ausdauer und dem Mut, Prioritäten neu zu setzen – und davon, wie weit einen ein klarer Traum tragen kann.
Von Christian Huber

Als gebürtiger Ortenauer erfüllte ich mir in einer einjährigen beruflichen Auszeit einen langgehegten Wunsch: Eine lange Reise mit einem großen Anteil Fahrradfahren. Im August 2024 brach ich von meiner Haustür in Frankfurt aus mit dem Fahrrad Richtung Athen auf. Nach genau einem Jahr kam ich am Frankfurter Flughafen aus Jakarta/Indonesien zurück.

Mit dem Rad nach Athen

Dazwischen lag ein spannendes Reise-Jahr, das mich zunächst mit dem Fahrrad durch Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Montenegro und Albanien nach Athen führte. Weiter ging es mit dem Rucksack von Indien aus über Nepal, Thailand, Laos, Kambodscha, Malaysia, Singapur, Neuseeland, Australien, Vanuatu und Indonesien.

Teil 4: Nepal

Vor dem kleinen Internationalen Flughafen der Hauptstadt Kathmandu begrüßte mich mein Bergführer Iswore mit dem obligatorischen Blumenkranz. Die Sonne strahlte mit mir um die Wette. Ich besuche Nepal zum dritten Mal, mag die Berge und die Menschen dort und Nepal durfte auf meiner großen Reise nicht fehlen. Die schneebedeckten Bergriesen sieht man beim Anflug immer. Dieses Mal war die Sicht so klar, dass ich von der Dachterrasse des Hotels bis zum Langtang-Gebirge sehen konnte, wo ich ein einwöchiges Trekking plante. Es war der 10. Dezember und bis nach Weihnachten wollte ich bleiben.

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Ankunft in Kathmandu/Nepal (l.). Fahrrad-Rikschas in Kathmandu (r.).

Ausrüstung wird Winterfest gemacht

Ich war seit ein paar Wochen mit verschiedenen Bergführern in Kontakt und Naba‘s Agentur machte den besten Eindruck. Schade, für die Everest – Region war es schon zu kalt. Und auch für die moderate Höhe im Langtang-Valley sollte man mit eiskalten Nächten und Wetterumschwüngen rechnen. Zum Glück ist Kathmandu gut auf Bergtouristen vorbereitet. Ein paar warme Sachen lieh oder kaufte ich dazu, aber die meisten werde ich am Ende unbenutzt verschenken.

Anfahrt ins Bergdorf ist ein Abenteuer

Für die 120 km benötigte der Jeep 5 Stunden. Wir wurden ordentlich durchgeschüttelt. Manchmal sind die Straßen in die Felsen gesprengt und unbefestigt: links die Felswand und rechts der Abgrund. Mal fehlt die Hälfte der Straße wegen Erdrutschen – mal fehlt mehr. Leitplanken? Unbekannt! Unterwegs herrliche Blicke auf 7.000er. Im Dorf Syabrubesi auf 1.400m endete die Fahrt. Die Auto-Piste würde weiter nach China führen, die Grenze ist nah. Meine Mitwanderer steckten am Flugplatz Lukla fest, so war ich alleine mit Guide Iswore und Träger Ram. Auf unserer Trekking-Route gibt es keine Straßen. Alles, was zum Leben gebraucht wird, wird von Menschen, mit Muli- oder Yak-Karawanen transportiert, vom Teebeutel bis zum Zementsack.

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Gegenverkehr in Nepal (l.), Träger trifft Träger (m.), stiller Beobachter (r.).

In drei Wander-Etappen zum höchsten Übernachtungspunkt

Es sollte drei Tage bergauf gehen, bis zur höchsten Übernachtung in Kyangij Gompa auf 3.800m. Von dort eine Tagestour zum Tserko Ri mit fast 5.000m. Dann in drei Tagesetappen abwärts in den Markt-Ort Dhunche – Bazar.

In den Wäldern in niedrigen Höhen war es schattig kalt. Affen turnten auf den Bäumen. Später wurde die Landschaft offener und die schneebedeckten Berge waren permanent zu sehen. Über die Gebirgsbäche sind mal Hängebrücken gespannt und mal balanciert man auf Steinen durchs Wasser. Wir kamen an kleinen Siedlungen und Bauernhäusern vorbei. Es war Nachsaison, nur noch wenige Wanderer waren unterwegs. Bald würde Schnee fallen und die Einheimischen der höheren Lagen bereiteten sich darauf vor, den Winter bei Verwandten im Tal zu verbringen.

Nach dem Erdbeben bei Null

Für eine Nacht waren wir in Langtang. Der Ort musste nach dem Erdbeben 2015 bei Null beginnen: bis auf ein Haus waren alle Gebäude durch eine Lawine zerstört. Gedenksteine erinnern an die vielen Opfer: Einheimische, Soldaten, Bergwanderer. Die Erzählung meines Guides Iswore über seinen Rettungseinsatz damals war sehr bewegend. Erst Tage nach dem Erdbeben konnte er Kontakt zur Familie aufnehmen, die in Kathmandu ebenfalls betroffen war.

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Das wiederaufgebaute Langtang (l.), Unterwegs im Langtang-Valley (m.) und eine Hängebrücke (r.).

Tserko Ri, der höchste Punkt meiner Reise

Tserko Ri war mit 4.985 m der höchste Punkt meiner gesamten Reise. Wir wählten den etwas steileren Aufstieg und bergab die einfache, längere „Yak-Route“. Aufwärts wurde die Luft immer dünner und das Atmen fiel schwerer. An ausgesetzten Stellen pfiff eiskalter Wind. Das letzte Stück über Felsen und gefrorenen Schnee bezwang ich überwiegend auf allen Vieren ohne auf die „B-Note“ zu achten. Am Gipfel flatterten Gebetsfahnen im Wind und es gab geschützte Stellen für ein Picknick. Die Aussicht auf die umliegenden Berge bis tief nach Tibet war atemberaubend.

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Unter mir das Langtang Tal Dorjay Lakpa (6.966m).

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Aufstieg zum Tserko Ri (l.), auf dem Tserko Ri (4.985m) Blick vom Gipfel-Plateau (m. + l.).

Übernachtung in einfachen Tea-Houses

Die Unterkünfte während des Trekkings waren sogenannte Tea-Houses. Familienbetriebe, kleine traditionelle Gasthäuser mit einfachen Schlafräumen. Oft wird in der Küche auf offenem Feuer gekocht und man sitzt zum Essen direkt daneben. Vielleicht steht noch ein Ofen in der Gaststube, der abends mit Yak-Dung angefeuert wird. Die sanitären Anlagen sind draußen. Wenn es fließend Wasser gab, so war es meist wegen Frost abgestellt; Schöpfkelle war die Lösung. In den Schlafsack kriecht man mit Mütze, denn im Zimmer hat es kaum über Null Grad.

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Tea House Lama (l.), Hotel Küche im Tea-House (m.) und Kyongij Gompa (3.800m).

Besuch der historischen Zentren von Kathmandu und Bhaktapur

In den restlichen freien Tagen streifte ich durch Kathmandu und Umgebung. Bhaktapur liegt etwa eine Autostunde außerhalb und der riesige Stupa von Boudha liegt an der Stadtgrenze. Das historische Zentrum mit den Tempelanlagen (Durbar-Square) ist fußläufig erreichbar. Die ganze Innenstadt mit den vielen kleinen Tempeln und alten Häuschen wirkt wie ein Museum. Nach dem schweren Erdbeben 2015 wurden viele historische Gebäude in Handarbeit aus alten Materialien wieder aufgebaut. So auch der Affentempel, von dem aus man einen schönen Blick über Kathmandu hat. Im benachbarten Benchen-Kloster beteten über 7.000 Mönche; die Zahl verriet mir der Künstler Tenzing Lama, den ich zufällig traf und der mir Zugang ins Innere ermöglichte.

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Durbar Square Kathmandu (l.), Benchen-Kloster in Kathmandu (m.) und Blick vom Affentempel über Kathmandu (r.).

Der Mount Everest: ist er`s oder ist er`s nicht?

Vom Langtang-Gebirge aus ist der Mount Everest nicht zu sehen, er ist zu weit entfernt und verdeckt. Jetzt kommt das Bergdorf Nagarkot ins Spiel, 35 km nordöstlich von Kathmandu: bei Sonnenauf- und untergang ist von dort der Himalaya-Hauptkamm besonders gut zu sehen. Und tatsächlich konnte ich die Silhouette des Mount Everest in 180 km Entfernung erkennen – stecknadelgroß, selbst mit Teleobjektiv. Einige Tage später gab es „Everest satt“, beim Blick aus dem Fenster beim Weiterflug nach Bangkok.

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Sonnenaufgang Himalaya-Hauptkamm (l.) und der Mt. Everest aus 180km Entfernung (r.).

Nepal ist ein tolles Reiseland

Nepal ist ein Paradies für Bergwanderer. Unzählige und beliebig lange Trekking-Touren sind im ganzen Land möglich. Die populären Trekking-Routen sind ausgeschildert und es gibt viele Unterkünfte und Rastmöglichkeiten. Aber viele Regionen sind nur mit Guide, Zelt, Trägern und Küchenpersonal zu bewandern.

Auch in Höhen unter 5.000 m sollte man nicht zu schnell aufsteigen und sich gut akklimatisieren. In Kyangji Gompa (3.800 m) sind wir nach der Ankunft auf den Hausberg aufgestiegen und hatten neben herrlichen Ausblicken beste Vorbeugung gegen Höhenkrankheit! Trotzdem: Beinbruch oder Höhenkrankheit können plötzlich passieren. Mangels Straßen kommt dann der Helikopter zum Einsatz und eine gute Versicherung ist empfehlenswert.

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Ram am Kyagjin Ri (4.400m) (l.), Blick nach oben (m.) und Gebetsmühlen (r.).

Auch die einfachen Unterkünfte waren sauber, mit dem Essen hatte ich nie Probleme und ich hatte Strom fürs Handy. Dieser stammt meist aus Wasserkraft. Abgelegene Regionen werden noch nicht versorgt oder haben eigene sehr kleine Kraftwerke.

Abenteuerliche Straßen

An die Verkehrs- und Stromnetze sollte man keine zu großen Erwartungen haben. Meine wenigen Fahrten organisierte die Agentur oder ich nahm ein Taxi. Es gibt kein zentral organisiertes ÖPNV-System und in abgelegene Regionen zu gelangen, ist schwierig. Das Straßennetz ist dünn und v. a. in den Bergen sind die Straßen, je nach Witterung, abenteuerlich. Jemand gab mir den Tipp, in den Bergen öffentliche Busse zu meiden; und wenn, dann säße ich auf der Talseite sicherer, weil die Bergseite den Steinschlägen ausgesetzt sei. Naja. Inlandsflüge sind manchmal eine Alternative, aber es kommt durchaus zu Unglücken.

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Kabelsalat in Kathmandu (l.), Straße In Kathmandu (m.) und Weihnachten in Kathmandu (r.).

Nepal ist ein tolles Reiseland, nicht nur wegen der einzigartigen Landschaft im Himalaya-Gebirge. Die Menschen sind außergewöhnlich gastfreundlich und herzlich. Das Land ist reich an Kultur und Religion. Ob in der Stadt oder in den Bergdörfern: authentische Einblicke in den Alltag der Menschen und Mönche sind garantiert. Sogar die Sprache ist erlernbar, mein Guide brachte mir weitere Sätze bei. Die überwiegend hinduistische Bevölkerung hat keine Berührungsängste: an Heiligabend kam in Kathmandu Weihnachtsstimmung auf. Ich werde wiederkommen. Namaste!

Das sind die ersten drei Teile der Reise von Christian Huber:

Eine Weltreise (1): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

Eine Weltreise (2): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

Eine Weltreise (3): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

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