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Eine Weltreise (2): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

Reisebericht Christian Huber
© Christian Huber – Kotor in Montenegro ist Unesco Weltkulturerbe..
Was passiert, wenn man den Alltag für ein Jahr hinter sich lässt und einfach losfährt? Christian Huber aus der Ortenau hat genau das getan: Mit dem Fahrrad startete er vor seiner Haustür Richtung Athen, später ging es mit dem Rucksack quer durch Asien und Ozeanien. Zwischen Bikepacking, spontanen Entscheidungen und akribischer Vorbereitung erzählt seine Geschichte von Freiheit, Ausdauer und dem Mut, Prioritäten neu zu setzen – und davon, wie weit einen ein klarer Traum tragen kann.
Von Christian Huber (Fotos und Text)

Obwohl ich die Alpen hinter mir hatte, sollte es von nun an ziemlich bergig werden und bis zum Ende der Tour blieb kaum ein Tag unter 1.000 Höhenmeter. Slowenien durchquerte ich an einem Nachmittag. In Kroatien stellte ich fest, dass die Küstenstraße für Radfahrer lebensgefährlich ist und ich wich abwechselnd in die Berge und auf die Inseln aus. In den zwei Wochen wechselten sich menschenleere Bergsträßchen mit Touristenmetropolen wie Split und Dubrovnik ab.

Herrliche Ausblicke

In Montenegro fühlte ich mich bei Kotor an einen norwegischen Fjord erinnert. Steile Anstiege mit herrlichen Ausblicken belohnten mich fürs Durchhalten. Vorbei an der Küstenstadt Bar ging es über die nächste Grenze ins albanische Shkodra. Nach einem Stopp in der Hauptstadt Tirana fuhr ich zügig Richtung Süden. Bis Vlora war es relativ flach, dann aber stieg die Küstenstraße auf 1.027m an: der Llogara Pass war der härteste Anstieg der ganzen Tour. Die Küstenstraße blieb bis zum südlichen Badeort Saranda hügelig und bot herrliche Blicke bis zur griechischen Insel Korfu.

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Bei Dubrovnik, Kroatien (l.) und an der Grenze Kroatien-Montenegro.

Endlich in Griechenland

Korfu erreichte ich nach einer kurzen Fährfahrt und konnte es kaum glauben, nun in Griechenland zu sein, das Achte und letzte Land der Tour! Das Wetter wurde nun spätsommerlich angenehm. Zurück am Festland ging es weiter entlang der Küste, durch malerische Fischerdörfer und um den Ambrakischen Golf. Bei Patras erreichte ich die Peloponnes- Halbinsel und Athen war nun greifbar. Die sehr geschichtsträchtige letzte Etappe nach Athen war der krönende Abschluss: Von der antiken Stadt Korinth zum Sonnenuntergang an der Akropolis. Es war ein überwältigendes Gefühl, die Strecke aus eigener Kraft geschafft zu haben!

Tolle Landschaften und Geschichte hautnah

Die Landschaft auf der Strecke von Deutschland nach Griechenland ist natürlich äußerst abwechslungsreich. Insgesamt eine Fahrradstrecke zum Genießen, sofern man Spaß am bergauf fahren hat. Fast täglich hatte ich Anstiege mit atemberaubenden Ausblicken, abends konnte ich mein Zelt am Meer aufschlagen und morgens ins Wasser springen. Während die beiden Pässe über die Alpen (Brenner, 1.370m) und in Albanien (Llogaro, 1.027m) die sportlichen Höhepunkte waren, so ragte Kroatiens Küste landschaftlich heraus: Der Blick von den Bergen auf die Inseln war die Belohnung für jeden mühsamen Aufstieg. Und der Übergang von mitteleuropäischer Vegetation zur mediterranen zeigte mir, dass ich Griechenland näherkam. Montenegro stand dem in nichts nach. In nur zwei Tagen sah ich Berge, Fjorde und Meer auf engstem Raum. Albanien ist noch etwas ursprünglicher und ich traf dort fast keine Radfahrer. In Griechenland gefielen mir die Fischerdörfchen sehr gut.

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Der Llogara – Pass (Albanien), die Küstenstraße in Süd-Albanien (m.) und Mesolongi in Griechenland.

Unterwegs erlebte ich Geschichte hautnah. Der Jugoslawien-Krieg hinterließ in der kroatischen Region Lika besonders viele Wunden und ich sah viele Kriegsruinen. Auch in der Altstadt von Dubrovnik sind die Spuren noch sichtbar. In Albanien suchte ich in einem von tausenden ausgemusterten Bunkern Schutz vor Regen. Von der Küstenstraße aus sieht man die „Höhle“ des einzigen U-Bootes Albaniens aus der Hoxha-Ära. Frühe Geschichte gab es in Griechenland: die Besuche des antiken Korinth und der Akropolis an einem Tag mit dem Fahrrad waren ein standesgemäßer Abschluss der Tour.

44 Etappen bis Athen

Reisen mit dem Fahrrad hat viele Vorzüge: ich bin den ganzen Tag in der Natur und nehme meine Umgebung viel besser wahr als im Auto. Ich lege trotzdem große Strecken zurück und habe nie Parkplatz-Probleme, ob Dubrovnik, Split, Tirana oder Athen. Jeden Tag radelte ich von morgens bis abends, ich hatte nur drei Ruhetage. Das Fahrrad wurde zum treuen Freund, seine Pflege ein tägliches Ritual. Bis Athen waren es 44 Etappen zwischen 40km und 140km. Ich hatte sogar noch Zeit für ein kurzes Inselhopping. Am Ende zeigte mein Tacho rund 4.000km und 40.000 Höhenmeter an.

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Bei Mytikas in Griechenland (l.) und die Akropolis in Athen. 

Der Hund von Lika

Ich erlebte auf meiner Reise manch schöne Geschichte. Stellvertretend dafür steht der Hund in meiner Pension in der kroatischen Region Lika. Er brachte mich in die Stadt, wartete, und brachte mich wieder zurück.

Oder der albanische Campingplatz, auf dem ich zwar keine Gäste fand, dafür aber ein Stück Heimat: das Inventar samt Weihnachtsmarktumzäunung und SUV, alles stammte aus Berlin. Nur nicht der Raki, den mir der Besitzer zum Frühstück anbot, und der wohl für sein eigenes konstantes Promille-Level verantwortlich war.

Die schlafenden Hunde von Korinth

Sinnbildlich für die großen und kleinen Hürden, die ich unterwegs zu überwinden hatte, sind ebenfalls Hunde. Am Kanal von Korinth habe ich im wahrsten Sinne des Wortes schlafende Hunde geweckt und entkam ihnen mit Glück und Geschick. Überhaupt wurden Hunde in Griechenland nicht meine besten Freunde und sie schienen überall zu lauern: In der Nähe von Lefkada, nach einer wahren Odyssee über Schotterpisten und Viehweiden voller zorniger Jungbullen, weit weg von jeder Zivilisation, blockierten Wachhunde die Weiterfahrt. Ich entschied mich zur Flucht durch ein Loch im Zaun anstatt umzudrehen.

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Irgendwo in Griechenland (l.) und eine Übernachtung in den Bergen Montenegros (r.)

Der Fernradweg Eurovelo 8 gab mir ab Kroatien Orientierung. Er war aber nicht immer leicht zu finden und überwiegend kein ausgeschilderter Fahrradweg. Meist teilte ich mir den Weg mit Autos und LKWs – mal Nebenstraßen, mal Fernstraßen – manchmal auch mit Fußgängern, selten mit Schafen oder Schildkröten. Radfahrer sah ich immer weniger, je weiter südlich ich kam.

Unzählige Treppenstufen

Eine Radtour auf unbekanntem Terrain birgt Überraschungen. Trotz moderner Navigationshilfen landet man schon mal auf dem „Holzweg“. Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt, heißt es. Oder er trägt es. Kilometerlange Wege mit grobem Schotter ließen in Kroatien bisweilen nur noch schieben zu. Auf unzähligen Treppenstufen tauschte ich mit dem Fahrrad die Rollen: ich trug das Rad, und nicht umgekehrt. Auf einem Trampelpfad am felsigen Strand bei Makarska/Kroatien war ich definitiv der einzige Mensch mit Fahrrad – das muss verrückt ausgesehen haben, zwischen all den Badegästen.

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Bei Sibenik, Kroatien und auf Naxos, Griechenland.

Bei Split zwangen mich Waldbrände zur Änderung der Route und die ununterbrochen im Meer auftankenden Löschflugzeuge zeigten mir den Ernst der Lage. Große Schlaglöcher in den Straßen erforderten höchste Konzentration, vor allem beim bergab fahren. In Albanien wurden Straßen schon mal zu Feldwegen, bevor sie schließlich in dornigen Weiden endeten: ich entschied mich für tragen statt flicken.

Hitze bis zu 40 Grad 

Zum Glück spielte das Wetter mit und es war überwiegend trocken. Vor allem die ersten fünf Wochen bis Montenegro erforderten bei bis zu 40 Grad gute Planung der Wasserreserven. Ein Minimarkt an der Strecke und eine gekühlte Fanta konnten mich zu einem glücklichen Menschen machen; nicht selten leerte ich eine Literflasche “auf Ex“.

Ein Viertel der Strecke nach Mumbai hatte ich nun mit dem Fahrrad zurückgelegt! Mein geplanter Rollenwechsel – vom Radreisenden zum Rucksack-Touristen – war aber eine logistische Herausforderung. Nachdem ich einige Möglichkeiten durchgespielt hatte, entschied ich mich für einen einwöchigen Boxenstopp zuhause.

Siehe auch hier:

Eine Weltreise (1): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

„Ein Stich ins Herz der Grenzgänger“: Felix Neumann über die Grenzkontrollen zwischen Straßburg und Kehl

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