Arbeitswelt

Employer Branding im Rathaus: Wie Offenburg mit Corporate Influencern neue Wege im Recruiting geht

Mitarbeiter Stadt Offenburg
© Stadt Offenburg – Die Corporate Influencer der Stadt Offenburg setzten 355 Postings ab.
Was Mitarbeitende täglich für eine Stadt leisten, bleibt oft im Verborgenen. Die Stadt Offenburg will das ändern – und setzt seit einem Jahr auf Corporate Influencer bei LinkedIn. 13 Beschäftigte aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen geben dort authentische Einblicke in ihren Arbeitsalltag und machen die Verwaltung als moderne Arbeitgeberin sichtbar. Mit hunderten Beiträgen, wachsender Reichweite und persönlichem Austausch zeigt das Projekt, wie Employer Branding im öffentlichen Dienst gelingen kann.
Unsichtbares sichtbar machen

Viele Unternehmen setzen sogenannte Corporate Influencer ein, um sich in den Medien, insbesondere Social Media, als moderner Arbeitgeber zu präsentieren. Auch Verwaltungen suchen dringend Nachwuchs und können so ihre Vorzüge als Arbeitgebermarke in den Fokus rücken. Das Stichwort dabei lautet Employer Branding. Gut gemacht, kann ein Unternehmen oder eine Organisation so neue Mitarbeiter:innen gewinnen. Wir schauen uns mal das Konzept der Stadt Offenburg an.

Start vor einem Jahr

In Offenburg berichten 13 städtische Mitarbeitende auf LinkedIn über ihre Arbeit. Das Programm dazu startete vor gut einem Jahr, im November 2024. Das Corporate-Influencer-Programm ist ein innovativer Ansatz, um Einblicke in den Arbeitsalltag der Verwaltung zu geben und die Stadt als moderne Arbeitgeberin sichtbarer zu machen. Was damals mit 14 motivierten Mitarbeitenden und mehreren vorbereitenden Schulungsmodulen begann, hat sich inzwischen fest etabliert und zeigt spürbare Wirkung, wie die Stadt in einer Pressemitteilung schreibt.

Unterschiedlichste Fachbereiche

Heute seien 13 Mitarbeitende aus unterschiedlichsten Fachbereichen aktiv dabei – vom Friedhofswesen über Sozialarbeit, Mobilität und Radverkehr bis hin zu Winterdienst der Technischen Betriebe Offenburg (TBO), Personal & Organisation, Baumschutz sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Sechs Männer und sieben Frauen berichten demnach unter dem Hashtag #UnsichtbaresSichtbarMachen regelmäßig über ihre Arbeit und ihre Erlebnisse in der Stadtverwaltung.

Bilanz des ersten Jahres

Das Programm werde gut angenommen, wie ein Blick auf die Bilanz des ersten Jahres verdeutlicht. Insgesamt 355 Posts hätten die Corporate Influencer:innen veröffentlicht – durchschnittlich 6,8 Beiträge pro Woche. Gemeinsam erreichen sie inzwischen 17.528 Follower:innen, die den Blick hinter die Kulissen der Verwaltung interessiert verfolgen.

Vielfältige Themen

Dabei gehe es längst nicht nur um die Darstellung beruflicher Themen. Die Beiträge berichten von Baumpatenschaften, dem Sommerferienprogramm der TBO, städtischen Veranstaltungen, skurrilen Radwegen, dem Abschiednehmen auf den Friedhöfen, den Benefits für Mitarbeitende oder dem Christopher Street Day. Immer wieder würden sich persönliche Eindrücke darunter mischen – eine Kombination, die die Accounts besonders authentisch mache.

Potenzial erkannt

Christine Koch (www.linkedin.com/in/die-christine-koch/), HR Business Partner der Stadt Offenburg, habe schon beim Start des Programms das Potenzial erkannt, vor allem für den Bereich Recruiting: „LinkedIn ermöglicht es, gezielt potenzielle Bewerberinnen und Bewerber anzusprechen und die Stadt als attraktive Arbeitgeberin zu präsentieren. Viele Menschen wissen nicht, wie umfangreich die Möglichkeiten in einer Stadtverwaltung sind – allein in Offenburg gibt es 83 verschiedene Berufsbilder.“

Gestiegene Außenwirkung

Dass diese Vielfalt dank der Corporate Influencer:innen heute deutlicher wahrgenommen wird, bestätigt auch Ines Werrn (www.linkedin.com/in/ines-werrn/) aus dem Fachbereich Personal und Organisation. Seit dem Start sei die Außenwirkung messbar gestiegen, und andere Organisationen im öffentlichen Dienst würden positiv auf die Offenburger Aktivitäten reagieren. Leitlinien für die Erstellung der Beiträge würden dabei helfen, die Inhalte im Einklang mit den Werten der Stadt zu halten, ohne die Authentizität einzuschränken – denn genau diese sei Kern des Erfolgs.

„Arbeitsalltag sensibel sichtbar machen“

Für David Lehmann (www.linkedin.com/in/david-lehmann-fh/), Mitarbeitender der Friedhofsverwaltung der TBO, bedeute die Arbeit als Corporate Influencer vor allem behutsame Öffentlichkeitsarbeit: „Ich kann meinen Arbeitsalltag sensibel sichtbar machen und so einen Einblick in eine Aufgabe geben, die viele Menschen nur in besonderen Lebensmomenten wahrnehmen.“

Wertvoller Austausch

Besonders wertvoll sei der Austausch, der durch das Programm entstanden ist – intern wie extern. So konnte demnach etwa Martin Maldener, Mobilitätsmanager Radverkehr, wertvolles Fachwissen zum Thema Radverkehr aus anderen Kommunen aufnehmen, Wolfram Reinhard, städtischer Baumbeauftragter, nützliche Impulse rund um das Thema Stadtbäume gewinnen, während Thekla Fey über LinkedIn neue Kontakte im Bereich Sozialarbeit knüpfte.

„Es hat sich gelohnt“

Simone Appel, Fachbereichsleitung Personal und Organisation, zieht ein positives Fazit nach dem ersten Jahr Corporate Influencer: „Es war viel Arbeit, das Programm aufzubauen – aber es hat sich wirklich gelohnt. Uns war wichtig, sichtbar zu machen, was unsere Mitarbeitenden – die Spurenhinterlasser:innen und tagtäglich für die Stadt und die Bürgerschaft leisten. Über das Netzwerk LinkedIn wird deutlich, welchen Beitrag jede und jeder Einzelne in ihrem/seinem Aufgabenbereich leistet.“

Neue Wege gehen

Mit dem Corporate-Influencer-Programm gehe die Stadt Offenburg weiterhin neue Wege in der Kommunikation. Das erste Jahr habe gezeigt, dass authentische Einblicke nicht nur das Bild des öffentlichen Dienstes modernisieren, sondern auch Menschen erreichen können, die bislang vielleicht nie darüber nachgedacht hätten, in einer Verwaltung zu arbeiten. Auch im zweiten Jahr sollen die Corporate Influencer:innen Einblicke in ihre Arbeit geben – echt, spontan und mitten aus dem Offenburger Stadtleben.

Foto (v.l.n.r.), hintere Reihe: Laura Vinciguerra, Simone Niedick, Simone Appel, Fabian Fallert, Jean-Christophe Gay, Wolfram Reinhard. Vordere Reihe: Thekla Fey, Martin Maldener, David Lehmann, Raphael Lehmann.

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