Wirtschaft

wvib-Kampagne „Deutschland kann mehr“: Optimismus und Reformforderungen aus Südbadens Industrie

Koehler-Kraftwerk
© Geraldine Zimpfer – Gehen in der deutschen Wirtschaft bald die Lichter aus? (Hier Koehler).
Angesichts der tiefgreifenden, hausgemachten Wirtschaftskrise in Deutschland rufen Südbadens Wirtschaftsverbände nach klaren Reformen und betonen die Stärke der Unternehmen. Die wvib Schwarzwald AG startet ihre Jahreskampagne „Deutschland kann mehr“ und schließt damit an die IHK-Kampagne „Hier geht was!“ an. Ziel ist es, Optimismus zu verbreiten, die Innovationskraft der Industrie sichtbar zu machen und politischen Druck für eine wirksame Reformagenda aufzubauen. Die Regierung zögert.
Von Wolfgang Huber

Die Wirtschaftsverbände in Südbaden positionieren sich angesichts der anhaltenden, größtenteils hausgemachten Wirtschaftskrise in Deutschland klar für Reformen und betonen die Stärken der Unternehmen und ihrer dahinterstehenden Macher. Rund zwei Wochen nach der IHK Südlicher Oberrhein (wir berichteten, siehe unten) startet nun auch die wvib Schwarzwald AG ihre Jahreskampagne. Steht die IHK-Kampagne unter dem Motto „Hier geht was!“ folgt nun die wvib mit dem Slogan „Deutschland kann mehr“.

Wie eine toxische Beziehung

Trotz der geringen Reformbereitschaft der Bundesregierung – die noch im Sommer 2025 einen Herbst der Reformen angekündigt hatte – bleiben die Wirtschaftsverbände zuversichtlich. Es ist wie in einer toxischen Beziehung. Ein Partner hofft inständig und andauernd, dass sich der Narzisst im eigenen Haushalt doch noch zum Guten entwickelt und die Gemeinheiten einstellt. Doch jeder weiß, dass Narzissten sich nicht ändern. Genauso scheint es sich mit der Merz-Regierung zu verhalten.

Punktuelle Verbesserungen

Die Ausgangslage ist eindeutig: Deutschland ist laut wvib zu teuer, zu kompliziert und zu schwerfällig für Unternehmen geworden. Aus Berlin ist jedoch außer punktueller Verbesserungen nichts zu hören. Das ständige Wehklagen der Wirtschaft kommt bei den verantwortlichen Politikern offenbar nicht an. Man könnte es fast schon als Trotz abtun, wäre die Situation nicht besorgniserregend. Die Pleitewelle schwappt durchs Land wie der Tsunami 2004 in Indonesien und Sri Lanka. Konzerne entlassen Mitarbeiter und Unternehmen verlegen ihre Standorte zunehmend ins Ausland.

Rekord-Firmenpleiten

Laut einer Analyse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) stiegen die Unternehmenspleiten mit 17.400 in 2025 auf den höchsten Stand seit 20 Jahren, wie das Online-Magazin Spiegel berichtet. Selbst im Zuge der Finanzkrise 2009 habe die Zahl rund fünf Prozent niedriger gelegen, zitiert der Artikel das Institut.

Hannah Böhme Bert Sutter

wvib-Hauptgeschäftsführerin Hannah Böhme und wvib-Präsident Bert Sutter. Fotos: wvib

Wohlstand adé

Was das bedeutet – auch wenn im Spiegel ein Teil der Pleiten als Marktbereinigung durchgeht – dürfte jedem Bundesbürger mit Schulabschluss einleuchten: Der Wohlstand lässt sich nicht nur nicht halten, er wird – sofern es kein Umdenken im Kanzleramt oder einen Regierungswechsel gibt – irgendwann komplett der Vergangenheit angehören. Müßig, die weiteren Probleme wie die Überalterung der Gesellschaft, die psychischen Belastungen – vor allem von Schülern, die Bildungsmisere oder die zunehmende Armut ausführlich darzustellen. Alles ist längst bekannt.

wvib zieht mit Kampagne nach

Mit ihrer neuen Standortkampagne „Hier geht was!“ will die IHK Südlicher Oberrhein Stärken einer ganzen Region sichtbar machen und für Zuversicht sorgen. Dafür sollen unter anderem IHK-Standortbotschafterinnen und -botschafter in die Öffentlichkeit treten, teilte die IHK mit. Die wvib hat nun nachgezogen. Die Grundrichtung ist dieselbe: Optimismus verbreiten und die Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass die immer noch hervorragenden unternehmerischen Leistungen und Innovationen endlich wieder zu wirtschaftlichem Erfolg genutzt werden können.

Marktwirtschaftliche Reformagenda

Angesichts der negativen Stimmung fordert die wvib einen entschlossenen Aufbruch und eine umfassende, marktwirtschaftliche Reformagenda. Gleichzeitig zeigt die Kampagne die Innovationskraft der Industrie, die den Strukturwandel bislang immer wieder gemeistert hat, wie die wvib mitteilt. „Wir können und müssen wieder nach vorne. Erfinden, entwickeln, gestalten, leisten, exportieren. Preiswerter, schneller. Wenn man uns wieder lässt, werden wir wieder wettbewerbsfähig“, heißt es im von Präsidium, Vorstand und Beirat verabschiedeten Positionspapier.

In Deutschland gehen zunehmend Arbeitsplätze verloren. Foto: freepik

„Industrieunternehmen wirksamer machen“

Die Kampagne richtet sich demnach nicht nur an Politik und Öffentlichkeit, sondern gebe auch den Rahmen für die Angebote des Verbands an seine Mitglieder. Der wvib-Claim lautet: Menschen in Industrieunternehmen wirksamer machen. Dies gelte besonders in einem Jahr der großen wirtschaftlichen Herausforderungen. wvib-Präsident Bert Sutter und Hauptgeschäftsführerin Hanna Böhme betonen laut Pressemitteilung: „Der Industrie geht es seit 2022 schlecht. Das liegt nicht nur an Nachfrageproblemen, sondern vor allem daran, dass Deutschland im internationalen Vergleich zu teuer, zu kompliziert und zu schwerfällig geworden ist.“

Schnellere Genehmigungsverfahren gefordert

Die Politik müsse grundlegend umdenken. Gefordert wird ein beherzter Bürokratieabbau, mehr Netto vom Brutto für Unternehmen und Privatpersonen, schnellere Genehmigungsverfahren, eine Reform der überkomplexen Sozialsysteme und eine Vertiefung des europäischen Binnenmarkts: „Teure und ineffiziente Subventionen wie der Industriestrompreis, die E-Auto-Kaufprämie oder die Gastro-Mehrwertsteuer sind der falsche Weg. Wir brauchen wirksame Entlastungen für alle, nicht nur punktuelle Vorteile für starke Lobbygruppen.“

Hoffen und Beten

Sutter und Böhme betonen: „Seit 80 Jahren liegt unsere Stärke darin, Mitglieder durch den Erfahrungsaustausch auf der Handlungsebene gegenseitig zu stärken. Dieses Jahr geht es um viel, deshalb wollen wir unsere Mitglieder besonders unterstützen.“ Angesichts der Tatenlosigkeit in Berlin bleibt da nur noch Hoffen und Beten, dass im Regierungsviertel endlich der Groschen fällt und die einschlägig bekannten Probleme endlich angegangen werden.

Siehe auch hier:

„Hier geht was!“: IHK Südlicher Oberrhein startet beim Neujahrsempfang selbstbewusste Standortkampagne

wvib-Umfrage: Südwest-Industrie sieht in umstrittenem Mercosur-Abkommen große Wachstumschancen

Banner Messe Offenburg
BA Immobilien

Weitere Beiträge