Teilzeitarbeit von Frauen, insbesondere von Müttern, bleibt ein zentrales Thema der deutschen Arbeitsmarkt- und Gleichstellungspolitik. Ein Fachbeitrag im HR-Fachblog Personalwirtschaft greift aktuelle Studien auf und zeigt, dass Teilzeit vielfach weniger eine freiwillige Entscheidung als vielmehr das Ergebnis unzureichender Rahmenbedingungen ist. Autor Frank Strankmann verweist dabei auf neue empirische Befunde, die das bislang häufig unterschätzte Arbeitskräftepotenzial berufstätiger Mütter deutlich machen.
Betriebliche Bedingungen
Kern der Analyse ist eine Untersuchung der Unternehmensberatung Prognos im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Demnach wären 45 Prozent der teilzeitbeschäftigten Mütter grundsätzlich bereit, ihre Arbeitszeit zu erhöhen, sofern betriebliche Bedingungen wie Flexibilität, Führungskultur oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung verbessert würden. Selbst ohne veränderte Rahmenbedingungen signalisierten immerhin 17 Prozent der Befragten eine höhere Arbeitsbereitschaft. Diese Zahlen gewinnen vor dem Hintergrund an Brisanz, dass in Deutschland zwar rund drei Viertel der Frauen im erwerbsfähigen Alter berufstätig sind, zugleich aber fast jede zweite Frau in Teilzeit arbeitet – ein Höchststand, der 2024 mit 49 Prozent erreicht wurde.

Viele Mütter stecken in der Teilzeitfalle fest. Foto: postooleh/freepik
Ausweitung der Arbeitszeit?
Die Prognos-Studie mache deutlich, dass arbeitgeberbezogene Faktoren bei der ursprünglichen Entscheidung für Teilzeit zwar eine untergeordnete Rolle spielen, für eine spätere Aufstockung der Arbeitszeit jedoch entscheidend sind. Besonders ausgeprägt sei dieses Potenzial bei Müttern mit jüngeren Kindern: Fast jede zweite Frau mit Kindern unter zwölf Jahren könnte sich bei passenden Bedingungen eine Ausweitung ihrer Arbeitszeit vorstellen. Bei Müttern mit älteren Kindern sinkt diese Bereitschaft deutlich. Frank Strankmacher betont, dass gerade hierin ein häufig übersehenes Reservoir für den Arbeitsmarkt liegt.
Flexible Arbeitszeitmodelle
Als zentrale Stellschrauben identifiziere die Studie flexible Arbeitszeitmodelle, zeit- und ortsflexible Arbeitsarrangements sowie eine familienfreundliche Führungskultur. Für Mütter jüngerer Kinder spielen demnach zudem finanzielle Zuschüsse zur Kinderbetreuung und kurzfristige Unterbrechungsmöglichkeiten der Arbeitszeit eine wichtige Rolle. Bei Müttern von Teenagern hingegen gewännen proaktive Ansprache durch den Arbeitgeber, Karriereperspektiven und Weiterbildung an Bedeutung. Entscheidend sei, so der Tenor des Beitrags, dass Unternehmen ihre Personalpolitik stärker an Lebensphasen orientieren.
Betriebliche Bedingungen für eine Erhöhung der Arbeitszeit von Müttern
| Betriebliche Bedingung | Jüngstes Kind unter 12 Jahre | Jüngstes Kind 12 bis unter 18 Jahre |
| Mehr Möglichkeiten, die Arbeitszeit bei Bedarf zu unterbrechen (Flexibilität & Arbeitszeitgestaltung) | 37 % | 22 % |
| Finanzielle Unterstützung bei der Kinderbetreuung | 43 % | 20 % |
| Führungskräfte nehmen mehr Rücksicht auf familiäre Verpflichtungen (Führungskultur) | 28 % | 21 % |
| Bessere Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung (Karriere & Entwicklung) | 24 % | 27 % |
| Proaktive Ansprache durch den Arbeitgeber (Kommunikation) | 16 % | 30 % |
(Quelle: Prognos-Befragung von teilzeitbeschäftigten Müttern (2025))
Langfristige finanzielle Folgen
Über die betriebliche Ebene hinaus verweist der Beitrag auf die langfristigen finanziellen Folgen von Teilzeit. Studien zeigen, dass Mütter durch Elternzeit und Care-Arbeit im Schnitt rund 40 Prozent ihres Lebenseinkommens verlieren. Hinzu kommen geringere Aufstiegschancen, niedrigere Rentenansprüche und ein erhöhtes Risiko finanzieller Abhängigkeit vom Partner. Eine bessere Kinderbetreuungsinfrastruktur allein reicht nach Einschätzung der zitierten Forschung nicht aus, um diese Effekte aufzulösen, da viele Frauen auch bei guter Betreuung weiterhin in Teilzeit bleiben.
Partnerschaftliche Aufteilung
Letztlich rückt der Beitrag auch die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit in den Fokus. Zwar bekennen sich viele Paare zu einer partnerschaftlichen Aufteilung, tatsächlich gelingt diese jedoch nur selten. Tradierte Rollenbilder wirken fort und beeinflussen Erwerbsentscheidungen nachhaltig. Frank Strankmann kommt zu dem indirekten Fazit, dass Politik, Unternehmen und Familien gleichermaßen gefordert sind, um Teilzeit aus der strukturellen Sackgasse zu führen und Frauen echte Wahlfreiheit zu ermöglichen.
Zum Ausgangsartikel:
Personalwirtschaft: So entkommen Unternehmen der Teilzeitfalle von Müttern
red/ChatGPT
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