Immer wieder gelingt es dem Team des Tivoli Filmtheaters, besondere Filme an Land zu ziehen. Smalltown Girl ist ein solcher, der am Sonntagabend hier in Achern Premiere feiern durfte. Dazu hatte man die Regisseurin und Drehbuchautorin eingeladen, Hille Norden, eine junge Frau aus Kiel, die mit diesem Stück ihr Filmdebüt feiert.
Das Erlebte einordnen
Smalltown Girl, ein Film, der unter die Haut geht. So war er angekündigt worden und nur wenige hatten sich dieser Aussage gestellt. Am 31. Januar wird das Tivoli diesen besonderen Film erneut zeigen. Ja, man bleibt betroffen zurück, man muss den Abspann nutzen, um das auf der Leinwand erlebte einzuordnen, doch Hille Norden ist es perfekt gelungen, ein schweres, schwieriges Thema so aufzuarbeiten, dass man nicht überfordert, sondern wach wird.
Film mit autobiographischen Zügen
Wach für Ungerechtigkeiten, für Übergriffe, egal ob physischer oder psychischer Natur im Kindesalter und deren verheerenden Auswirkungen, die das Weiterleben bestimmen können. „Ich selbst habe sexuelle Übergriffe in meiner Kindheit erlebt. Somit hat dieser Film autobiographische Züge!“ erklärt die junge Regisseurin, die sich nach dem Film Fragen des Publikums stellt. Ein Film also, der heilt?
„Heilung muss möglich sein“
„Ja!“ sagt Hille Norden. „Heilung muss möglich sein, eine Heilung durch Vergebung und Versöhnung“. Doch natürlich habe jeder die Möglichkeit, seine Form der Vergeltung zu wählen. Sie hat ihren Weg gefunden, indem sie einen äußerst feinfühligen, sensiblem Film gedreht hat, der eine junge Frau, Nore, in den Fokus stellt, die durch intensiven Sex versucht, ihr Leben wieder zu gewinnen, sich zu finden.
Geprägt von Dunkelheit
Unglaublich die Leistung der faszinierenden Protagonistin, Dana Herfurth. Wild und ungezähmt greift sich die zarte, zerbrechlich wirkende Schöne den Mann, jeden Abend, immer einen neuen, gefühlt jeden Moment ihres Daseins. Ein Verlangen, das ganz andere Wurzeln hat, als die sexuelle Befriedung. Jede ihrer gespielt begierigen Handlungen ist geprägt von einer Dunkelheit, die spürbar ist, greifbar.
Männer gehen ein und aus
Joanna (großartig Luna Jordan), eine Schulfreundin, beobachtet sie fasziniert, lädt sie ein, bei ihr zu wohnen. Bald gehen Männer hier ein und aus, doch zum Frühstück darf keiner bleiben. Nein, Mann kommt in diesem Film nicht besonders gut weg, doch hier geht es um den Triebgesteuerten, denjenigen, die Kinder und ihre Seele verletzt. Um die Vergangenheit von Nore zu reflektieren, lässt die Regisseurin Vera Fay mitspielen. Sie ist die junge Vierzehnjährige, bereits traumatisierte Nore.
Ästhetische Momente
Smalltown Girl ist ein großartiger Film. Trotz seiner Schwere gelingt es Hille Norden, ihn zu ertragen. Ästhetische Momente durchziehen die Szenen durch kunstvoll selbst geschneiderten Kostüme der Hauptdarstellerin, Bühnenbilder, geprägt von tiefgründigen Farben und wilder, ungezähmter Vielfalt.
Intimkoordinator vor Ort
Beim Dreh ist ein Intimissimi coordinator, ein Intimkoordinator vor Ort. Die Darstellerinnen und Darsteller entscheiden im Vorfeld was und wie sie sich zeigen, mit wem sie welche Szene spielen. Eine Psychologin ist durchgehend am Set. Hille Norden weiß um ihre Verantwortung, schafft diesen Spagat, der allen viel abverlangt. Sie muss aufklären, denn: „Gewalt kann eingebettet sein in ein ganz harmonisches Familienleben!“
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