Arbeitswelt

Immer mehr Jugendliche ohne Ausbildung: Praktikumsprämie soll Trend stoppen

Azubi im Handwerk
© raman1100/pixabay – Die Handwerksbranche braucht dringend mehr Auszubildende.
Sei es aus Unsicherheit, mangelnder Orientierung oder fehlendem Zutrauen: Immer mehr Jugendliche starten ohne Ausbildung ins Berufsleben. Die Bertelsmann Stiftung warnt: Besonders junge Menschen mit niedriger Schulbildung verzichten zunehmend auf eine berufliche Qualifikation. In Schleswig-Holstein soll nun eine Praktikumsprämie gegensteuern: 120 Euro erhalten Jugendliche für ein freiwilliges Handwerkspraktikum. Erste Zahlen zeigen: Der direkte Praxiskontakt wirkt.

Immer mehr junge Menschen starten ohne berufliche Qualifikation ins Arbeitsleben. Das geht aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung hervor, über die Christina Petrick-Löhr im Fachblog Personalwirtschaft berichtet. Demnach gibt zwar ein Großteil der befragten Jugendlichen an, grundsätzlich an einer Ausbildung interessiert zu sein. Doch zugleich planen rund 20 Prozent, vorerst ohne formale Qualifikation ins Berufsleben zu starten. Besonders bei Jugendlichen mit niedriger Schulbildung ist diese Zahl mit 25 Prozent deutlich höher.

Fehlende Orientierung

Ein zentrales Problem: fehlende Orientierung und Information. Nur ein Drittel der Jugendlichen fühlt sich laut Studie gut informiert über Ausbildungswege. Etwa die Hälfte gibt an, sich im Informationsangebot zur Berufsorientierung nicht zurechtzufinden. Hinzu kommt bei vielen jungen Menschen mit schwächerem Bildungsabschluss ein mangelndes Vertrauen in die eigenen Chancen auf dem Ausbildungsmarkt.

Schleswig-Holstein mit neuer Initiative

Um dem entgegenzuwirken, hat Schleswig-Holstein das Modellprojekt „Praktikumsprämie 2025“ ins Leben gerufen. Schülerinnen und Schüler erhalten eine Prämie von 120 Euro, wenn sie in den Schulferien für mindestens fünf Tage ein freiwilliges Praktikum in einem Handwerksbetrieb absolvieren. Ziel sei es, so Christian Abend vom Wirtschaftsministerium Schleswig-Holstein, jungen Menschen einen Anreiz zu geben, sich aktiv mit Ausbildungsberufen auseinanderzusetzen. Die Initiative soll vor allem vom Jugendlichen selbst ausgehen, der sich für ein Gewerk interessiert, einen passenden Betrieb auswählt und diesen kontaktiert.

Unkompliziert eintragen

Der Weg zum Praktikum sei bewusst niedrigschwellig gestaltet: Betriebe können sich unkompliziert auf den Seiten der Handwerkskammern Lübeck und Flensburg in eine Online-Börse eintragen. Viele Unternehmen werben laut dem Artikel zudem gezielt an Schulen für Praktikumsplätze. Bereits in den Frühjahrs- und Sommerferien 2024 wurde das Projekt erfolgreich getestet. Ergebnis: 637 Anträge wurden demnach bewilligt, mehr als 600 Jugendliche konnten in Handwerksbetrieben praktische Erfahrungen sammeln.

Erste Ausbildungsverträge als Folge

Noch ließe sich nicht flächendeckend sagen, wie viele Praktikantinnen und Praktikanten sich tatsächlich für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden. Doch es gebe erste messbare Ergebnisse: Schon zum Jahresende 2024 konnten 65 Ausbildungsverträge nachweislich auf Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Praktikumsprogramms zurückgeführt werden. In einem vergleichbaren Projekt in Sachsen-Anhalt entschied sich im Jahr 2022 rund ein Fünftel der 800 Praktikantinnen und Praktikanten für eine Ausbildung im Handwerk – eine vielversprechende Quote.

„Ein kleiner Anstoß“

Für Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen ist das Projekt daher ein voller Erfolg. Es brauche oft nur „einen kleinen Anstoß, um aus der Komfortzone zu kommen und in der Freizeit in die Arbeitswelt reinzuschnuppern“, wird er zitiert. Handwerk lebe vom Selbermachen, betont auch Christian Abend: „Am Ende des Tages zu sehen, was man selbst erreicht hat, ist ein Gefühl, das sich durch Vorträge nicht erzeugen lässt.“

Orientierung statt Informationsüberflutung

Zurück zur Bertelsmann-Studie: Neben der geringen Ausbildungsvergütung ist für viele Jugendliche vor allem die mangelhafte Orientierung ein Hinderungsgrund für den Einstieg in eine Ausbildung. Die Praktikumsprämie adressiert dieses Problem gezielt. Sie bietet einen konkreten Anreiz, sich im geschützten Rahmen eines Schnupperpraktikums mit handwerklichen Tätigkeiten vertraut zu machen – und ermöglicht gleichzeitig Betrieben, potenzielle Auszubildende frühzeitig kennenzulernen.

Geringer finanzieller A

Die Idee könnte auch über Schleswig-Holstein hinaus Schule machen, schreibt Petrick-Löhr. Der geringe finanzielle Aufwand – 120 Euro für ein potenzielles zukünftiges Teammitglied – steht in keinem Verhältnis zum drohenden Fachkräftemangel. Für Ausbildungsbetriebe bundesweit könnte dieses einfache Instrument ein wirksames Mittel zur Nachwuchsgewinnung werden.

Fazit: Geringer Aufwand, große Wirkung

Die Praktikumsprämie zeigt: Der Weg zur Ausbildung muss nicht mit neuen Informationskampagnen gepflastert werden, sondern mit echten Erfahrungen. Ein Praktikum könne Orientierung geben, Selbstvertrauen stärken und Jugendlichen berufliche Perspektiven eröffnen, die sie bislang nicht für möglich hielten. Für Betriebe biete sich zugleich die Chance, frühzeitig Talente zu entdecken – und sie vielleicht schon morgen als Auszubildende willkommen zu heißen.

wh/ChatGPT

Hier geht’s zum Ausgangsartikel:

„Praktikumsprämie soll Schüler zu Ausbildung motivieren“ (Personalwirtschaft)

Siehe auch hier:

So können Betriebe freie Ausbildungsplätze besetzen

Ausbildungsstart: So können Unternehmen die neuen Azubis langfristig binden!

IHK Südlicher Oberrhein fordert bessere Strukturen für mehr duale Ausbildung

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