– Lesermeinung –

Schwend-Anwohnerin: „Wir sehen in der Aussage von Kai Furler eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit“

Schwend-Anwohner Melanie und Bernhard Basler
© Ja-zur-Schwend – Die Anwohnerin Melanie Basler und ihr Mann Bernhard fühlen sich von den Windenergie-Plänen überrollt.
Der Bürgerentscheid zum Windpark Schwend rückt näher – und die Diskussion wird intensiver. Ein Leserbrief einer Anwohnerin kritisiert Aussagen von Koehler-Vorstandschef Kai Furler aus dem Ortenau Journal-Interview vom 4. Juli. Sie wirft dem Unternehmen unter anderem vor, keine belastbaren Windmessungen vorgenommen und die Anwohner zu spät einbezogen zu haben. Die Debatte um das Projekt in Oberkirch bleibt emotional, sachlich und von gegenseitigem Respekt geprägt – auf beiden Seiten.

Der magische Termin zum Bürgerentscheid am 20. Juli in Oberkirch rückt langsam näher. Das Thema Windpark Schwend beschäftigt derzeit die Gemüter in der Renchtalmetropole wie kaum ein anderes. Doch es geht ja auch um viel. Ein beachtlicher Teil der Oberkircher Bevölkerung ist mit den Windenergieplänen von Koehler Renewable Energy nicht einverstanden. Der Wahlkampf läuft auf Hochtouren.

Entscheidung des Herzens?

Beide Seiten haben gute Argumente und versuchen, Unentschlossene auf ihre Seite zu ziehen. Am Ende gibt es sowohl Gründe für als auch gegen den Windpark und es wird womöglich eine Entscheidung des Herzens, ob man mit „Ja“ oder „Nein“ abstimmt. Heute hat uns ein Leserbrief einer Schwend-Anwohnerin zu dem Interview mit Koehler-Vorstandschef Kai Furler vom 4. Juli im Ortenau Journal erreicht. Diesen veröffentlichen wir hier ungekürzt:

Leserbrief von Melanie Basler

Dass Kai Furler seine Kritik an einer „Entsachlichung der Debatte“ mit den Anwohnern auf der Schwend verknüpft, ist unberechtigt. Weder die Schwender Anwohner selbst noch die Unterstützer aus dem Kreis der IG  Schwend/Oberkirch begleiten die Diskussion mit unsachlichen Beiträgen oder persönlichen Angriffen. Es wäre wünschenswert, dass Kai Furler seine Kritik ausschließlich gegen jene richtet, die unsachliche Beiträge posten.

Von unserer Seite ist ganz ausdrücklich niemand an einer unsachlichen Auseinandersetzung interessiert. Wir distanzieren uns von jeglichem persönlichen Angriff auf Kai Furler oder die Firma Koehler. Die Firma Koehler ist nicht unser Feind. Wir sehen in diesem Projekt ein Vorhaben, das eine für uns nicht hinnehmbare Gefährdung für unser Leben auf der Schwend und die Kulturlandschaft des Schwarzwaldes, mit seinen unzähligen Bauernhöfen in Außenbereichen, darstellt. Dagegen wehren wir uns.

Seine Aussage, dass „wissenschaftlich anerkannte Fakten“ „Grundlage aller gesetzlichen Grenzwerte“ seien, halten wir für falsch. Baden-Württemberg hat sich im Jahr 2020 gegen den Vorschlag von Minister Peter Altmaier („1.000 Meter Mindestabstand“) gewehrt mit der Begründung, dass dieser Abstand für die vom Land angestrebte Energiewende hinderlich sei. Nicht der Gesundheitsschutz für Anwohner stand bei Neufassung des Gesetzes im Vordergrund, sondern der Wunsch, möglichst schnell möglichst viele Windenergieanlagen bauen zu können. Mit anderen Worten: die gesetzlichen Grenzwerte sind gerade nicht unter dem Aspekt des Gesundheitsschutzes, des Naturschutzes oder gar des Quellschutzes definiert worden. 

Kai Furler behauptet im Interview, „Die Höhenlage (auf der Schwend) erreicht eine mittlere Windgeschwindigkeit von deutlich über sechs Meter pro Sekunde“, erläutert aber weiter unten im selben Interview, dass es bislang nur „Desktop-Studien“ gebe. Dies deckt sich mit Aussagen von Mitarbeitern der Firma Koehler, die gegenüber den Anwohnern der Schwend darauf hingewiesen haben, dass man aus Kostengründen eine ordnungsgemäße Windmessung erst nach Zuteilung des Geländes an Koehler durchführen könne.

Wie Kai Furler dennoch zu der Aussage kommen kann, dass die Windgeschwindigkeit auf der Schwend bei „deutlich über sechs Meter pro Sekunde“ liege, ist uns ein Rätsel. Wir sehen in dieser Aussage von Kai Furler, wie auch in einer gleichlautenden Bemerkung im Info-Flyer der Firma Koehler, eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit.

Kai Furler bedauert, dass es auf dem YouTube-Kanal „Ja-zur-Schwend“ keine Kommentarfunktion gibt. Seine Vermutung, dafür hätte es Gründe gegeben, ist richtig. Der Grund liegt darin, dass wir Schwender Familien keine bezahlten Mitarbeiter haben, die wir bitten können, für unsere Sache einen Social Media Kanal zu betreuen oder an einem Infostand Werbeflyer zu verteilen. Auch die Realisierung des Films war nur dank der Unterstützung von Klemens Gutmann (Kaufangebot an die Stadt) möglich, dem viel an der Schwend liegt und der hier aufgewachsen ist.

Neben unseren Berufen, der Arbeit hier oben auf der Schwend und dem organisatorischen Aufwand als Eltern, ist es uns schon kaum möglich, zusätzlich Info-Veranstaltungen zu organisieren und Infostände auf dem Markt in Oberkirch zu besetzen. Mehr schaffen wir nicht, umso wichtiger ist uns ein ehrlicher Dialog auf Augenhöhe.

Kai Furler bestätigt im Interview, dass weder die Stadt Oberkirch noch die Firma Koehler vorhatten, vor Beschlussfassung über die Verpachtung des fraglichen Geländes mit uns Schwender Anwohnern zu sprechen, weil dies aus Sicht von Koehler nicht zielführend gewesen wäre. Für uns direkt Betroffene wäre ein frühzeitiger Dialog äußerst sinnvoll und zielführend gewesen – zumal wir nur zufällig von den Plänen der Firma Koehler erfahren haben. Wir fühlen uns in dieser Angelegenheit regelrecht überfallen.

Siehe auch hier:

Kai Furler zur Schwend: „Wir werden den Kontakt zu den Menschen bis 20. Juli über alle Kanäle intensivieren“

Windpark Schwend: YouTube-Video geht mit 15.000 Klicks in 10 Tagen viral – Interview mit Peter Cleiß

Showdown um Windpark Schwend: Kurz vor Abschluss der Bürgerbeteiligung gelingt Koehler ein PR-Coup

Weitere Beiträge